Donnerstag, 3. Mai 2012

Togo Togo

Da ich doch nicht wie angenommen seit gestern wieder zur Schule gehe, sondern noch bis Montag frei habe, trifft es sich, dass ich nun mal genügend Zeit finde, ausführlich über meine Ferien zu berichten. Die letzten zwei Wochen genoss ich nämlich meinen Urlaub in Ostghana und Togo. 
 
Am 14. April ging es los. Früh am Morgen traf ich mich mit den 3 anderen FreiwilligInnen und wir machten uns auf den Weg direkt nach Aflao, einem kleinen Grenzort zu Togo. Dort hieß es dann am nächsten Tag Geld wechseln und ein Wochenvisum besorgen, bevor wir weiter nach Lomé, der Hauptstadt Togos, zu unserem Hotel fahren konnten. Bereits bei den togoischen Beamten 5 Meter nach der Grenze bemerkte man, dass man sich in einem fremden Land befand, denn es wurde französisch gesprochen. Ebenso wie in Ghanas restlichen Nachbarländern ist in Togo nämlich, statt englisch wie in Ghana, französisch die Amtssprache. Generell entwickelte sich die Reise irgendwie zu einem „Sprachurlaub“, bei dem die verschiedensten Sprachen vertreten waren: deutsch, englisch, französisch, russisch, fante, ewe (lokale Sprache in Togo und Ostghana). Auch die „Motos“, sozusagen Taxi-Motorräder, die uns zum Hotel fuhren, kannte ich aus Ghana bisher noch nicht, zumindest nicht als gängiges Transportmittel. Trotz der Erschöpfung nach dem Grenzübergang konnten wir uns noch zu einer kleinen Stadtbesichtigung aufraffen. Wir haben zwar nicht die ganze Hauptstadt durchquert, aber trotzdem wurde mir auch hier ein Unterschied zu Accra bewusst. Ich habe für mich gemerkt, dass der verhältnismäßig weite Entwicklungsstand Ghanas wirklich sichtbar ist. Abends haben wir es uns dann gegönnt, relativ teuer chinesisch essen zu gehen.
Am nächsten Morgen fuhren wir in einem sogenannten Buschtaxi zu siebt nach Kpalimé, eine Stadt etwas weiter nördlich von Lomé, wo unsere Fahrerei vorerst ein Ende nehmen sollte. In Kpalimé kannten wir einige dort stationierte FreiwilligInnen, die wir auf den Vorbereitungsseminaren in Deutschland kennengelernt hatten und nun besuchen wollten. Zum Glück hatte einer dieser FreiwilligInnen einen wohlhabenden Freund, bei dem wir umsonst schlafen konnten. So kam es, dass wir die nächsten Tage bei diesem Mann wohnten, mit dem wir uns auch sehr bald anfreundeten. Wir hatten für unseren Aufenthalt in Togo kaum etwas geplant, da wir uns in dem Land noch nicht auskannten, keinen Reiseführer besaßen und sowieso erst mal die Freiwilligen besuchen wollten, um dann spontan etwas zu unternehmen. 
Zusammen bei der Gastmutter eines Freiwilligen, einer Stoffverkäuferin auf dem Markt von Kpalimé.
Wir machten zwei Wanderungen zu wahnsinnig schön gelegenen Wasserfällen in der Umgebung und auch eine Besichtigung des Gefängnisses in Kpalimé, das sich gerade im Bau befindet und als das modernste in Westafrika gilt. Zu diesem Ausflug kam es, weil der Mann, bei dem wir wohnten, der Architekt dieser Anlage und für die Beaufsichtigung verantwortlich war. 
Auf dem Weg ins Gefängnis...
Die Woche in Togo verging so schnell, dass es richtig schade war, von allen Abschied nehmen zu müssen, denn wir hatten viel Zeit mit den anderen FreiwilligInnen und deren FreundInnen verbracht. Und auch dadurch, dass wir nicht durchgehend irgendwelche Unternehmungen vorhatten, war es möglich, sich mit den Leuten tiefer gehend zu unterhalten und viel von dem togoischen Alltag und der Lebenshaltung mitzubekommen. Zum Beispiel ergab sich das oft, wenn wir an den Abenden in die „Africa Bar“ gingen, woher auch der Titel des Blogeintrags rührt. Bei „Togo Togo“ handelt es sich nämlich um einen Trinkspruch, der sich über den togoischen Präsidenten lustig macht. Laut der Geschichte wollte der chinesische Präsident bei einem Treffen nach togoischer Manier anstoßen, wobei der togoische Präsident die ähnlich klingenden Wörter als „Chine Chine“ verstand, worauf er mit „Togo Togo“ antwortete.
Als schließlich unser Visum auslief ging es für uns zurück nach Ghana in die Volta Region, wo sich unsere Gruppe aufteilte. Die anderen drei reisten noch 2 Tage zusammen weiter, bevor Lukas sich auf den Weg in den Benin machte und ich wollte alleine weiterreisen, um auch mal diese Erfahrung gemacht zu haben. Ich hielt mich dabei in Ho und Umgebung auf und unternahm Wanderungen in den Dörfern.
Endlich hatte ich es geschafft, den Adaklu Mountain hochzuklettern. Als wir oben ankamen, war ich klitschnass geschwitzt und total am Ende. Für meine "Tour guides" in Flipflops oder auch ohne war das hingegen aber wohl überhaupt keine Anstrengung, zumindest nach ihrer Geschwindigkeit zu urteilen, mit der sie den Berg raufgerast sind.
Insgesamt genoss ich die Zeit zwar sehr, aber nach zwei Tagen hatte ich keine Lust mehr, alleine weiter zu reisen, da ich es einfach vermisste, mich mit den anderen auszutauschen und gemeinsam die Erlebnisse zu teilen. Also traf ich Anna und Luzie in Hohoe und wir setzten die Reise zusammen fort. Nach einem Tag dort und einem Besuch in einem Affenreservat planten wir unsere Weiterreise, die vielleicht etwas absurd klingt. Wir entschieden uns, noch einmal nach Togo zu fahren, wodurch der Titel dieses Posts übrigens eine gewisse Doppeldeutigkeit verliehen bekommt. Der Anlass für unsere Entscheidung war der Geburtstag einer Freiwilligen in Togo. Außerdem fanden wir die Zeit in Togo so schön, dass wir uns einig waren, all die Leute noch einmal wiedersehen zu wollen. So kam es, dass wir ein weiteres mal unsere Zeit in Togo genossen, in der wir weder Touristenattraktionen ansahen, noch andere Ausflüge unternahmen. Wir verbrachten die Tage einfach damit, bereits bekannte Menschen zu treffen, die Abende zu feiern und Urlaub zu haben. Am 30. April mussten wir dann aber entgültig wieder über die Grenze nach Ho und von dort aus über Accra nach Swedru, nach hause.
Rückblickend war diese Reise echt super. Es hat so viel Spaß gemacht, viele interessante Leute kennenzulernen, unbekannte Orte zu bereisen, komplett flexibel sein zu können und insgesamt neue Eindrücke zu sammeln und es tat gut, mal wieder für eine längere Zeit dem Alltag hier zuhause zu entfliehen.