Donnerstag, 30. August 2012

Last but not least

Es ist Zeit für meinen letzten Beitrag, ein Schlusswort für diesen Blog.
Zwar ist mein Freiwilligendienst nun schon seit über 4 Wochen zuende, aber ich finde meine Rückkehr nach Deutschland ist, genau wie die Vorbereitung auf Ghana, ebenso ein Teil des Ganzen.
Wie also geht es mir nun damit? Um diese Frage annähernd zu beantworten, passt es vielleicht, auf häufig gestellte Fragen und Anmerkungen einzugehen.
   "Na, so braun bist du ja gar nicht geworden!"
Nein, das stimmt, denn bis eine Woche vor der Abreise habe ich noch in der Schule gearbeitet und daher lange Kleidung getragen. Ein tägliches Sonnenbad gehörte aber auch in meiner Freizeit üblicherweise nicht zu meinen Hobbies. Davon abgesehen, dass wir uns vor der Abreise noch in der Regenzeit befanden, in der es durchschnittlich eher bewölkt ist, macht es auf Dauer aber auch keinen Spaß, sich stundenlang in der prallen Sonne in warmen Klamotten aufzuhalten.
   "Und, wie wars?"
Es war gut, schlecht, traurig, fröhlich, spannend, langweilig, stressig, entspannt, warm, kalt, überraschend, nervig, lang, kurz, erlebnisreich! Eine sehr schwierig zu beantwortende Frage, wenn man knapp ein Jahr woanders gelebt hat.
   "Schon wieder gut eingelebt?"
Erstaunlicherweise ja, zumindest oberflächlich. Ich kann noch deutsch sprechen, Auto fahren, Cello spielen und pünktlich den Zug bekommen. Und das ging genau genommen bereits ab dem Moment, als ich in Hamburg am Flughafen ankam. Manchmal kommt es mir vor, als sei ich nie weg gewesen. Alles um mich herum ist so gewohnt und es fühlt sich kaum verändert an, ganz so, als hätte ich ein Jahr zurückgedreht und einfach dort weitergemacht, wo alles "stehengeblieben" ist. Dieses Gefühl ist ziemlich beunruhigend und manchmal tut es deshalb gut, mit anderen Freiwilligen oder ghanaischen Freunden zu sprechen oder einfach bloß Bilder anzusehen, um sich klarzumachen: du warst da. Das bildest du dir nicht ein!
Mental hingegen bin ich, glaube ich, noch nicht vollständig in Deutschland angekommen. Damit meine ich, dass es Zeit braucht, die pauschalisiert deutschen Charakterzüge und die Zwischenmenschlichkeit zu akzeptieren.
   "Und, wie ist es so in Afrika?"
Weiß ich nicht! Ich war in einem der 54 Staaten für bloß 11 Monate und in dem Nachbarland zum Urlaub. Afrika ist dreimal so groß wie Europa und ich habe nur einen winzigen Teil kennengelernt. Selbst über Ghana kann ich lediglich das erzählen, was ich persönlich erlebt, erfahren und gelernt habe. Trotzdem könnte ich nie ein vollständiges Bild des Landes oder gar des Kontinents geben. Aber meiner Meinung geht es auch gar nicht darum. Ich war in Ghana, habe tolle Leute kennengelernt, Freunde gewonnen, andere Kulturen erlebt und so viel über und für mich selbst gelernt. Natürlich lasse ich jeden, der Interesse daran zeigt, gerne mehr darüber wissen, aber es muss deutlich sein, dass es sich um meine subjektiven Wahrnehmungen handelt.
Das Jahr hat mich geprägt und verändert und obgleich es schwer fällt, sich all die Erlebnisse in dem hiesigen Alltag wachzurufen, habe ich Ghana nicht vergessen und werde es auch nie!

Dienstag, 24. Juli 2012

Viele letzte Male

Seit einigen Tagen begleitet mich stets ein merkwuerdiges Gefuehl, und zwar das Gefuehl, gerade etwas zum vorerst letzten mal zu machen. Am Freitag, den 27. Juli werde ich nach Accra zum Flughafen fahren und zurueck nach Deutschland fliegen. Unglaublich, schon in 3 Tagen!
Am vergangenen Freitag begann das genannte Gefuehl mich nicht mehr loszulassen. Es war der Tag, an dem ich das letzte mal meine Lehrerklamotten angezogen habe, die ich jetzt alle hier lasse, das letzte mal, dass ich zur Schule lief, das letzte mal, dass ich unterrichtete, das letzte mal, dass ich all die SchuelerInnen und KollegInnen um mich herum hatte, das letzte mal, das letzte mal... Eigentlich war es aber ein sehr schoener letzter Schultag. Hanna, die andere Freiwillige in der Schule, und ich haben eine gemeinsame Unterrichtsstunde mit unseren Klassen organisiert, in der gegenseitig das gelernte Gedicht und Theaterstueck praesentiert wurden. Anschliessend gab es ein Fussballspiel zwischen unseren beiden Klassen auf dem Schulhof. Und natuerlich haben wir uns von unserem Kollegium und den SchuelerInnen verabschiedet, Geschenke verteilt und bekommen. Nach der Schule haben wir dann noch einige Lehrer zum Fufu -und Bankuessen in der Naehe eingeladen. Insgesamt war der Tag wirklich nett - bis auf das Abschiednehmen.
Nun haeufen sich die letzten male bei fast allem, was ich mache. Das letzte mal mein Lieblingsgericht essen, das letzte mal waschen, das letzte mal hier im Internetcafe sitzen und auch das letzte mal Sachen packen. Ausserdem schiesst mir bei jeder Begegnung mit Bekannten immer der Gedanke durch den Kopf, ob ich diese Person nochmal sehen werde oder ob das gerade das letzte mal ist.
Meine letzten Tage in Ghana sind also davon gepraegt, von so ca. allem Abschied zu nehmen. Das ist immer schwer, zumindest fuer mich, und ich wuensche mir manchmal, einfach morgen zu fliegen, damit diese stressige Zeit endlich vorbei geht. Denn neben den tausend Abschieden bin ich zur Zeit noch damit beschaeftigt, letzte Einkaeufe zu machen, Sachen zu packen usw.
Ich freue mich schon auf die Rueckreise, darauf, meine Freunde und Familie wiederzusehen und auch auf die alten Gewohnheiten, auf das Essen, auf das Wetter, darauf, als Weisser nicht mehr staendig aufzufallen, auf feste Preise und auf vieles mehr. Gleichzeitig merke ich an den Abschieden, wie sehr ich mein ghanaisches Umfeld vermissen werde, in erster Linie meine Freunde und die SchuelerInnen, aber auch das Essen, die Sprache(n), die Offenheit und (Gast)freundlichkeit, Taxifahren fuer 20 Cent, das Wetter, das Feilschen, und  vieles mehr...

Dies war also wohl mein letzter Eintrag aus Ghana, wir sehen uns in Deutschland,
liebe Gruesse! 

Mittwoch, 27. Juni 2012

It is not easy oo!

Nach langer Zeit von immerhin knapp 2 Monaten wird es mal wieder Zeit, etwas zu posten.
Bitte entschuldigt das Warten, aber die bereits in einem vorigen Post geschilderten Umstaende, die mich davon abhalten, hier etwas zu schreiben, haben sich nicht gebessert. Im Gegenteil, es kommt mir vor, als habe ich zunehmend weniger Zeit, weniger Internet und weniger zu erzaehlen. Letzteres ist wahrscheinlich gar nicht so, aber je laenger ich in Ghana bin, desto gewohnter und "langweiliger" empfinde ich das Leben hier fuer mich selbst.
Da ich zur Zeit viel darueber nachdenke, wie ich am besten meinen I.C.T.-Unterricht fuer die letzten Wochen gestalten kann, kam mir der Gedanke, euch daran in einem Artikel teilhaben zu lassen. Vielleicht koennt ihr dadurch auch am Rande Fragen zu meiner Arbeit fuer euch klaeren. Bitte seid aber darauf hingewiesen, dass dies ein sehr breites Thema ist. Es haengen so viele Umstaende und Informationen zu dem gesamten Schulsystem mit meinem kleinen Problem zusammen, die ich nicht alle in diesem Beitrag diskutieren kann und will.

Meine beiden Unterrichtsfaecher (in der 2. Klasse) sind I.C.T. und Creative Arts, sozusagen Computerkunde und Kunst. In Creative Arts lasse ich die SchuelerInnen oft malen und fuehre hin und wieder kleine Bastelprojekte durch. In I.C.T. hingegen ist es meine Aufgabe, den Kindern den Umgang mit dem Computer naeher zu bringen. Dies ist jedoch  gar nicht so einfach, aus drei Hauptgruenden: 1. es gibt nur einen laufenden Computer an der Schule, 2. es sind (zu) viele SchuelerInnen in der Klasse und 3. es gibt nur einen laufenden Computer an der Schule. Das ist wirklich ein Problem, da auch meine Lehrbuecher auf praxisbezogenen Unterricht aufgebaut sind. Um es euch direkt an einem Beispiel zu zeigen: Dragging ist ein Thema in der 2. Klasse. Dragging nennt man das Bewegen eines Objekts mithilfe des Mauszeigers. Damit zusammen haengt dann das naechste Thema: Introduction into game applications. Im Lehrbuch sieht das so aus, dass ich den Kindern die Spielregeln von Solitaer beibringen soll, da Solitaer eben eine gute Methode bietet, Dragging spielerisch und praktisch zu lernen. Aber wie gesagt, es gibt nur einen laufenden Computer an der Schule. Die Haelfte der SchuelerInnen haben keinen PC zuhause und haben schon Probleme, die Maus richtig zu halten. Da faellt es mir schwer, Theoriewissen von etwas zu vermitteln, zu dem jegliche Praxis fehlt. Die Frage, ob es den SchuelerInnen beim Verstaendnis leicht faellt, erklaert sich wohl von alleine.
Da ich also daran gehindert bin, die Computerspiele zu unterrichten, habe ich mittlerweile die restlichen Themen, zumindest in der Theorie, fertig behandelt. Nun habe ich jedes mal aufs neue das Problem, einen sinnvollen und fachbezogenen Unterrichtsstoff zu finden. Neben Wiederholungen der durchgenommenen Themen, habe ich mir nun schon andere Lehrbuecher auch aus anderen Klassen zur Hilfe genommen und habe sogar versucht, einen "Keyboard-Song", ein Lied ueber die Tastatur mit den Kindern zu singen. Das alles ist aber nicht befriedigend, weil das Theoriewissen alleine den SchuelerInnen meiner Meinung nach kein bisschen hilft. Daher versuche ich manchmal, einen Praxistag einzulegen, an dem sich jeder mal an der Maus oder am Keyboard probieren kann. Aber ungluecklicherweise gibt es nur einen laufenden Computer an der Schule und rund 60 SchuelerInnen, die sich dahinter setzen wollen. Die grosse Anzahl der Kinder ist naemlich ein weiteres Hindernis fuer mich, guten (vor allem Praxis-)Unterricht zu machen. In der Regel hole ich immer eine Sitzreihe bzw. bis zu 10 SchulerInnen zu mir nach vorne und erklaere oder helfe ihnen am Computer. Doch ohne die Assistenz oder Anwesenheit meines ghanaischen Arbeitspartners kann ich das eigentlich auch vergessen, da meine Autoritaet aus verschiedenen Gruenden nicht dafuer ausreicht, ein Chaos zu vermeiden, das entsteht, wenn jeder das Geschehen auf dem Monitor verfolgen will. Deshalb lasse ich die untaetigen Reihen dann in der Zeit etwas von der Tafel abschreiben, aber trotzdem: it is not easy oo!
Das ist ein sehr gerne von Ghanaern verwendetes Zitat. Das oo! laesst sich uebrigens praktisch an jeden Satz haengen, um ihn noch zu verstaerken. Man hoert (oder sagt mittlerweile) auch oefter mal: It is nice oo!, I like it oo! oder Good morning oo!
Falls der Eindruck entstanden sein sollte, dass ich bei meiner Arbeit nur mit Problemen konfrontiert bin, moechte ich mich fuer meinen sarkastischen Ausdrucksstil entschuldigen. Ich bin sehr zufrieden in meiner Einsatzstelle, aber dieser Umstand laesst mich zur Zeit viel nachdenken. Natuerlich habe ich auch geschaut, wie andere LehrerInnen damit umgehen, aber an unserer Schule habe ich das Gefuehl, dass I.C.T. insgesamt eher vernachlaessigt bzw. einfach theoretisch unterrichtet wird. An anderen Schulen gibt es teilweise ganz andere Voraussetzungen, einige haben sogar PC-labs mit mehr als einem laufenden Computer an der Schule.
Das wars wieder von mir, es wird langsam spaet und ich gehe jetzt lieber nach hause, um noch ueber meine naechste I.C.T.-Stunde nachzudenken.

Donnerstag, 3. Mai 2012

Togo Togo

Da ich doch nicht wie angenommen seit gestern wieder zur Schule gehe, sondern noch bis Montag frei habe, trifft es sich, dass ich nun mal genügend Zeit finde, ausführlich über meine Ferien zu berichten. Die letzten zwei Wochen genoss ich nämlich meinen Urlaub in Ostghana und Togo. 
 
Am 14. April ging es los. Früh am Morgen traf ich mich mit den 3 anderen FreiwilligInnen und wir machten uns auf den Weg direkt nach Aflao, einem kleinen Grenzort zu Togo. Dort hieß es dann am nächsten Tag Geld wechseln und ein Wochenvisum besorgen, bevor wir weiter nach Lomé, der Hauptstadt Togos, zu unserem Hotel fahren konnten. Bereits bei den togoischen Beamten 5 Meter nach der Grenze bemerkte man, dass man sich in einem fremden Land befand, denn es wurde französisch gesprochen. Ebenso wie in Ghanas restlichen Nachbarländern ist in Togo nämlich, statt englisch wie in Ghana, französisch die Amtssprache. Generell entwickelte sich die Reise irgendwie zu einem „Sprachurlaub“, bei dem die verschiedensten Sprachen vertreten waren: deutsch, englisch, französisch, russisch, fante, ewe (lokale Sprache in Togo und Ostghana). Auch die „Motos“, sozusagen Taxi-Motorräder, die uns zum Hotel fuhren, kannte ich aus Ghana bisher noch nicht, zumindest nicht als gängiges Transportmittel. Trotz der Erschöpfung nach dem Grenzübergang konnten wir uns noch zu einer kleinen Stadtbesichtigung aufraffen. Wir haben zwar nicht die ganze Hauptstadt durchquert, aber trotzdem wurde mir auch hier ein Unterschied zu Accra bewusst. Ich habe für mich gemerkt, dass der verhältnismäßig weite Entwicklungsstand Ghanas wirklich sichtbar ist. Abends haben wir es uns dann gegönnt, relativ teuer chinesisch essen zu gehen.
Am nächsten Morgen fuhren wir in einem sogenannten Buschtaxi zu siebt nach Kpalimé, eine Stadt etwas weiter nördlich von Lomé, wo unsere Fahrerei vorerst ein Ende nehmen sollte. In Kpalimé kannten wir einige dort stationierte FreiwilligInnen, die wir auf den Vorbereitungsseminaren in Deutschland kennengelernt hatten und nun besuchen wollten. Zum Glück hatte einer dieser FreiwilligInnen einen wohlhabenden Freund, bei dem wir umsonst schlafen konnten. So kam es, dass wir die nächsten Tage bei diesem Mann wohnten, mit dem wir uns auch sehr bald anfreundeten. Wir hatten für unseren Aufenthalt in Togo kaum etwas geplant, da wir uns in dem Land noch nicht auskannten, keinen Reiseführer besaßen und sowieso erst mal die Freiwilligen besuchen wollten, um dann spontan etwas zu unternehmen. 
Zusammen bei der Gastmutter eines Freiwilligen, einer Stoffverkäuferin auf dem Markt von Kpalimé.
Wir machten zwei Wanderungen zu wahnsinnig schön gelegenen Wasserfällen in der Umgebung und auch eine Besichtigung des Gefängnisses in Kpalimé, das sich gerade im Bau befindet und als das modernste in Westafrika gilt. Zu diesem Ausflug kam es, weil der Mann, bei dem wir wohnten, der Architekt dieser Anlage und für die Beaufsichtigung verantwortlich war. 
Auf dem Weg ins Gefängnis...
Die Woche in Togo verging so schnell, dass es richtig schade war, von allen Abschied nehmen zu müssen, denn wir hatten viel Zeit mit den anderen FreiwilligInnen und deren FreundInnen verbracht. Und auch dadurch, dass wir nicht durchgehend irgendwelche Unternehmungen vorhatten, war es möglich, sich mit den Leuten tiefer gehend zu unterhalten und viel von dem togoischen Alltag und der Lebenshaltung mitzubekommen. Zum Beispiel ergab sich das oft, wenn wir an den Abenden in die „Africa Bar“ gingen, woher auch der Titel des Blogeintrags rührt. Bei „Togo Togo“ handelt es sich nämlich um einen Trinkspruch, der sich über den togoischen Präsidenten lustig macht. Laut der Geschichte wollte der chinesische Präsident bei einem Treffen nach togoischer Manier anstoßen, wobei der togoische Präsident die ähnlich klingenden Wörter als „Chine Chine“ verstand, worauf er mit „Togo Togo“ antwortete.
Als schließlich unser Visum auslief ging es für uns zurück nach Ghana in die Volta Region, wo sich unsere Gruppe aufteilte. Die anderen drei reisten noch 2 Tage zusammen weiter, bevor Lukas sich auf den Weg in den Benin machte und ich wollte alleine weiterreisen, um auch mal diese Erfahrung gemacht zu haben. Ich hielt mich dabei in Ho und Umgebung auf und unternahm Wanderungen in den Dörfern.
Endlich hatte ich es geschafft, den Adaklu Mountain hochzuklettern. Als wir oben ankamen, war ich klitschnass geschwitzt und total am Ende. Für meine "Tour guides" in Flipflops oder auch ohne war das hingegen aber wohl überhaupt keine Anstrengung, zumindest nach ihrer Geschwindigkeit zu urteilen, mit der sie den Berg raufgerast sind.
Insgesamt genoss ich die Zeit zwar sehr, aber nach zwei Tagen hatte ich keine Lust mehr, alleine weiter zu reisen, da ich es einfach vermisste, mich mit den anderen auszutauschen und gemeinsam die Erlebnisse zu teilen. Also traf ich Anna und Luzie in Hohoe und wir setzten die Reise zusammen fort. Nach einem Tag dort und einem Besuch in einem Affenreservat planten wir unsere Weiterreise, die vielleicht etwas absurd klingt. Wir entschieden uns, noch einmal nach Togo zu fahren, wodurch der Titel dieses Posts übrigens eine gewisse Doppeldeutigkeit verliehen bekommt. Der Anlass für unsere Entscheidung war der Geburtstag einer Freiwilligen in Togo. Außerdem fanden wir die Zeit in Togo so schön, dass wir uns einig waren, all die Leute noch einmal wiedersehen zu wollen. So kam es, dass wir ein weiteres mal unsere Zeit in Togo genossen, in der wir weder Touristenattraktionen ansahen, noch andere Ausflüge unternahmen. Wir verbrachten die Tage einfach damit, bereits bekannte Menschen zu treffen, die Abende zu feiern und Urlaub zu haben. Am 30. April mussten wir dann aber entgültig wieder über die Grenze nach Ho und von dort aus über Accra nach Swedru, nach hause.
Rückblickend war diese Reise echt super. Es hat so viel Spaß gemacht, viele interessante Leute kennenzulernen, unbekannte Orte zu bereisen, komplett flexibel sein zu können und insgesamt neue Eindrücke zu sammeln und es tat gut, mal wieder für eine längere Zeit dem Alltag hier zuhause zu entfliehen.
 

Mittwoch, 11. April 2012

Die Zeit rennt....

Die Zeit tickt, jetzt bleiben mir schon wieder nur noch 19 Minuten, bis ich hier aus dem Internetcafe nach hause gehen muss. Also will ich mich mal beeilen, um noch schnell ein Lebenszeichen von mir zu geben.
Mir geht es gut und meine Tage in Ghana laufen, um nicht zu sagen, rennen so vor sich hin. Seit meinem letzten Beitrag sind nun schon wieder 2 Monate vergangen, Wahnsinn! Ich weiss gar nicht, wo die Zeit geblieben ist. Auch wenn ich in dieser Zeit nichts veroeffentlicht habe, habe ich viel erlebt. Zum Beispiel habe ich Wochenendreisen unternommen, kleine Projekte in der Klasse durchgefuehrt, viel Zeit mit deutschen und ghanaischen Freunden verbracht, angefangen, ghanaische Gerichte kochen zu lernen, mit der Gastfamilie Pizza gebacken, meinen Geburtstag gefeiert und vieles mehr.
Dafuer, dass ich die letzten Wochen nichts geschrieben oder Bilder gepostet habe, moechte ich mich entschuldigen. Oft hat mich meine Muedigkeit und Erschoepfung oder die fehlende Zeit davon abgehalten und jetzt in den letzten Wochen haben wir zuhause gar kein Internet mehr, weshalb ich nun gerade auch im Internetcafe sitzte; noch 10 Minuten. Ich weiss durch die Seitenaufrufe, dass manche von euch immer wieder mal den Blog besucht haben und ihn dann wahrscheinlich enttaeuscht, nichts neues vorzufinden, wieder verlassen haben. Nochmals bitte ich dafuer um Entschuldigung.
Nun fangen bald die Ferien an und vorraussichtlich am Samstag werde ich mit 3 anderen FreiwilligInnen nach Togo reisen und anschliessend noch die Volta Region (im Osten Ghanas) erkunden. Die Vorfreude ist schon gross, wobei ich bis dahin auch noch einiges zu tun habe, u.a. Examen schreiben, waschen und nicht zuletzt irgendwann noch Sachen packen.
So jetzt gabs gerade einen Lightoff, bzw. Stromausfall, herrlich! Immerhin wurde der Text gespeichert, aber mir bleiben nur noch 2 Minuten. Deshalb sage ich an dieser Stelle mal bis bald und moechte mich nochmals fuer diesen knappen Beitrag nach so langer Zeit entschuldigen. Vielleicht war es ja trotzdem irgendwie unterhaltend.

Mittwoch, 8. Februar 2012

Lions in the classroom

Am Donnerstag, den 02.02.12 habe ich ein kleines Projekt mit „meiner“ zweiten Klasse gestartet. Und zwar hatte ich vor, mit ihnen Masken zu basteln. Da ich in meinen Kunststunden zuvor überwiegend mit ihnen gezeichnet hatte und sie nun darüber hinaus künstlerisch aktiv werden lassen wollte, bot sich das an. Die Kartonpappe war schnell beschafft: einige ältere Schüler wurden zu einem recht großen nahegelegenen Supermarkt Swedrus geschickt. Die Gummibänder, Buntstifte und Scheren sollten die Schüler von zuhause mitbingen.
Nun konnte also die schon etwas länger geplante Bastelstunde beginnen. Zunächst habe ich die Stunde ausführlich eingeleitet, um unnötiges Chaos zu vermeiden. Mit einigen "Steps" habe ich versucht, der Klasse möglichst einfach nahezulegen, wie wir die Stunde aufbauen wollen und der Bastelprozess einer eigenen Maske verläuft:


Danach ging es los. Mit Jeffs (meines Kollegens) Hilfe begann ich, maskengroße Papprechtecke auszuschneiden und sie an die Schüler zu verteilen. Allein das hat bei knapp 60 Kindern schon viel Zeit gekostet.


Als die erste Reihe ihre Pappe bekommen hatte, fing langsam an, sich das Chaos auszubreiten. Denn während die zweite und dritte Reihe auf ihre Kartonstücke warteten, starteten die Schüler der ersten Reihe schon, sich darüber zu beklagen, dass sie das Gesicht, also die Umrisse der Maske, nicht malen konnten. Als endlich alle ihre Pappe erhalten hatten, war es sehr laut und durcheinander in der Klasse. Ich machte also noch einige allgemeine Ansagen, in denen ich versuchte, die Schüler zu motivieren, die Maskenbilder zu zeichnen. Dazu malte ich ihnen selbst welche vor oder zeigte repräsentative Examplare mancher Schüler. Dennoch schien es für viele eine unmögliche Aufgabe zu sein. Das wunderte mich, denn im Zeichnen ist die Klasse eigentlich recht begabt.
Auf jeden Fall folgte dadurch eine lange anstrengende Phase, die dadurch geprägt war, alles jedem nochmal einzelnd zu erklären, verzweifelte Schüler immer erneut zu motivieren und die Grimassen (bis auf wenige wollten alle einen Löwenkopf haben) vorzuzeichnen. Als es dann noch Essen gab und die Kinder in der einen Hand mit der Maske, ihrem Bleistift und Gummibändern und in der anderen mit ihrem Teller Reis in der Klasse rumtobten, war das Chaos perfekt.

dieses Bild spiegelt gut den Großteil der Unterrichtsstunde wieder: viele kleine Kinder, denen beim zeichnen, anmalen oder auschneiden geholfen werden soll.
Obwohl das jetzt vielleicht nach einer total ungeordneten Bastelstunde klingt, hat diese Creative Arts lesson, die sich übrigens auf ca. 3-4 Stunden ausgedehnt hat, sehr viel Spaß gemacht. Es war schön, zu sehen, wie sich alle an ihren Masken erfreut haben, als sie dann endlich fertig waren und dass viel Bereitschaft unter einander da war, den anderen zu helfen. Zwischendurch sind manchmal kleine Gruppen von Kindern dem Klassenraum entwichen, um ihren Brüdern und Schwestern in den anderen Klassen stolz ihre Kunstwerke zu präsentieren. Am Ende sind auch wirklich schöne Masken entstanden und manche davon ganz ohne Hilfe von Jeff oder mir.
Ich selbst war zufrieden, dass letztendlich alles geklappt hat und ich ein solches Projekt bei dieser Klassengröße durchzuführen imstande war. Rückblickend war es also natürlich superanstrengend, hat sich aber dennoch gelohnt! Ich habe bereits Pläne für weitere Kunststunden dieser Art, da ich es für eine gute Idee halte, die Kinder, vor allem in dem Alter, im Creative Arts – Unterricht nicht bloß abmalen zu lassen.



Montag, 6. Februar 2012

Meine Ferien - Bilder

Dieser Post soll eine Ergänzung zu dem vorherigen Beitrag sein. Da ich in der letzten Zeit kein Internet bzw. keine Möglichkeit hatte, Bilder hochzuladen, will ich das hiermit jetzt nachholen, damit ihr ein paar Eindrücke des Urlaubs bekommt und das Geschriebene vielleicht besser nachvollziehen könnt.

OUR DAY: hier sieht man 4 Schüler "meiner" 2. Klasse Azonto tanzen. Das war eine Art Contest. Nacheinander durften ein paar ausgewählte Schüler der jeweiligen Klassen ihre Tanzskills vor den anderen Klassen unter Beweis stellen.

TANOBOASE: in diesem kleinen Ort gibt es die Touristenattraktion heiliger Grotten und Felsen mit einer langen Geschichte. Der Ausflug war recht interessant und die Landschaft dort ist wunderschön. Die schwarzen Flecken am Himmel sind übrigens Fledermäuse. Das war ein großartiges Gefühl, da oben zu stehen, das Schreien der tausenden Tiere zu hören und diesen weiten Ausblick zu genießen.

TAMALE: eine sehr schöne der zahlreichen Moscheen in Tamale, einer Großstadt im Norden des Landes. Generell fiel uns auf, dass die nördlichen Regionen viel muslimischer geprägt sind. Wir sahen kaum Kirchen, sondern stattdessen viele Moscheen und auch an dem Kleidungsstil der Menschen wurde uns sofort bewusst, dass wir nicht mehr im Süden sind.

RÜCKREISE: Dieses Bild entstand irgendwo zwischen Bolgatanga und Tamale, als wir in einem der Busse saßen, die uns Richtung Swedru zurückfuhren. Solche runden Lehmhütten, die in kreisförmigen Ansammlungen gebaut sind, haben wir oft in den nördlichen Dörfern sehen können. Im Süden des Landes unterscheidet sich die Baukunst von diesen Gebäuden. Während in den Küstenregionen eher rechteckige Häuser und Hütten gebaut werden, sind sind sie im Norden des öfteren rund. Zumindest trifft das auf zahlreiche Dörfer zu, die man zu sehen bekommt, wenn man längere Strecken mit Bussen und Tro-Tros von Stadt zu Stadt fährt. Die gelbe Farbe auf den Hütten ist Teil der MTN-Werbung, eines Mobilfunkunternehmens. Diese Art makaberer Werbeplatzierung gibt es überall im Land, z.B. von Vodafone, Coca-Cola usw.

Natürlich ist das nur ein kleiner visueller Einblick in meinen Urlaub und ich habe noch Hunderte weitere Bilder, aber das Hauptproblem ist, dass es Zeit und Internetkapazität kostet, viele Fotos hochzuladen. Trotzdem, denke ich, ergänzt das den vorausgegangenen Textbeitrag wenigstens ein bisschen.

Donnerstag, 12. Januar 2012

Meine Ferien


Nun ist schon Januar, die Ferien sind vorbei und seit vorgestern, dem 10.01., geht die Schule wieder los. In den letzten Wochen ist viel passiert.

Der Dezember verging relativ schnell, was ich vor allem auf die Vorfreude auf die Ferien zurückführe. Bevor es aber so weit war, gab es noch einen recht stressigen, anstrengenden Endspurt, in dem die Examen und die Reports (Zwischenzeugnisse) geschrieben wurden. Auch ich selber verfasste einige Prüfungsaufgaben für meine Fächer I.C.T. Und Creative Arts (dazu an anderer Stelle mehr). Die Ergebnisse fielen recht unterschiedlich aus, konnten aber mit den anderen Fächern glücklicherweise schon mithalten. Als schließlich alles geschafft war, wurde am 22.12. „our day“ zelebriert. An diesem Tag ist es jedem, sowohl Schüler als auch Lehrer, erlaubt, in beliebiger Hauskleidung aufzutauchen. Außerdem ist es Brauch, dass die Schüler ihr eigenes Essen mitbringen und keines, wie üblicherweise, in der Schule kaufen. Große Lautsprecher wurden aufgestellt und die ganze Schule war in Feierlaune. Nach einer Weile wurden dann die Zeugnisse, Elternbriefe und letzte korrigierte Examen von den Klassenlehrern an ihre Schüler verteilt.
Noch am selben Tag trafen sich Hanna (die andere Freiwillige in der Schule) und ich mit einigen unserer Kollegen in einem Spot (vergleichbar mit einem Pub), um die Lehrer mal außerschulisch besser kennenzulernen.
Nun waren endlich Ferien und ich war schon gespannt, wie die Weihnachtszeit und der geplante Urlaub in den Norden Ghanas verlaufen würde. An den Weihnachtstagen war ich zuhause und traf mich mit Freunden in der Stadt. Ein großes Weihnachtsfest gab es in dem Sinne gar nicht. Das einzig wirklich außergewöhnliche, das die Tage vom gewohnten Alltag unterschied, war der Kirchenbesuch am 25. und die Tatsache, dass wir einige Kuchen gebacken hatten. Dabei will ich nicht das ghanaische Weihnachtsfest darauf reduzieren, sondern bloß bemerken, wie ich es erlebt habe. Generell war es schwer, in Weihnachtsstimmung zu kommen. Zwar hörte man ab dem 24. ständig den lokalen Glückwunsch „Afischjampoo“ oder ghanaische und europäische Weihnachtslieder, aber trotzdem passten die 32° C nicht so ganz in mein gewohntes Bild von Weihnachten.
Nichts desto trotz habe ich die Tage genossen. Ich war auch nicht enttäuscht, da ich kaum Erwartungen an das Fest gestellt habe und ich diese Weihnachten als Erfahrung mitnehmen kann, losgelöst von irgendeiner Bewertung.

Am 27. Dezember klingelte mein Wecker um kurz nach 3 in der Nacht, da ich zusammen mit einer Freundin nach Kumasi fahren wollte, um von dort aus mit einer weiteren Freiwilligen die bereits erwähnte Reise in den Norden zu starten. Insgesamt waren wir 13 Tage unterwegs, besuchten einige Städte und kamen sogar bis zur Grenze zu Burkina Faso. Unsere Reiseroute verlief über Kumasi, Techiman, Tamale, Larabanga, Wa, Bolgatanga und wieder zurück über Tamale und Kumasi. An diesen Orten hielten wir uns dann für die Nächte auf und besichtigten die Innenstädte. Außerdem unternahmen wir einige Tagesausflüge von unseren Hotels zu touristischen Reisezielen oder kleinen Orten in der Umgebung.
Der Urlaub war sehr spannend und hat viel Spaß gemacht. Vor allem war es beeindruckend zu sehen, wie sehr sich der Norden des Landes vom Süden unterscheidet, sowohl landschaftlich (trockene, staubige und großflächige Flachlandsavannen) als auch in der Bevölkerung. Da diese in den nördlichen Regionen nämlich überwiegend muslimisch geprägt ist, unterschieden sich die meisten Menschen schon in der Kleidung von den hiesigen Einheimischen. Zudem gab es viel mehr Leute, die mit Fahrrädern und Motorbikes unterwegs waren und auch die Reaktion auf Weiße war total anders. Je weiter wir gen Norden fuhren, so schien es, desto mehr Leute hielten es für normal, „Obrunis“ (dort „Nasara“ genannt) zu sehen. Das war unglaublich angenehm!
Rückblickend war das eine wirklich schöne Reise und ich habe viel erlebt; alles im Detail hier zu berichten würde den Rahmen sprengen. Um Fotos hochzuladen, reicht die Internetkapazität leider nicht, aber ihr werdet die an anderer Stelle noch zu sehen bekommen.
Liebe Grüße und „Happy New Year!“