Samstag, 22. Oktober 2011

„Mepa wo tschäu, Mentiase“

Heute war ich mit meiner Gastmutter und meinem kleinen Gastbruder in Bobikuma, ein kleiner Ort geschätzte 30 km von Swedru entfernt. Meine Gastmutter wollte dort ihre Schwägerin besuchen und hatte mich gefragt, ob ich mitkommen wolle. Da ich sowieso noch nichts geplant hatte und gerne ein bisschen „rumkommen“ wollte, willigte ich also ein. Nach dem Waschen meiner Klamotten und einem kleinen Frühstück ging es dann los. Vom Haus zu Fuß zur Main Road, von der Main Road mit einem Taxi zur Tro-Tro-Station in der Innenstadt und von dort mit einem Tro-Tro nach Bobikuma.
Zusammen mit Tina und Kweku im Tro-Tro

Tro-Tros sind übrigens Kleinbusse, die bestimmte Routen fahren. In unserem waren wir heute mit 13, also verhältnismäßig wenig Leuten, denn teilweise sind schon mal über 20 Mitfahrer an Bord. Neben dem Fahrer gibt es auch immer einen „Mate“, der das Geld einsammelt und während der Fahrt in den Straßen verkündet, wo man hinfährt. Die heutige Fahrt dauerte etwa 40 Minuten und kostete 1 Cedi, also etwa 50-60 Cent.
Angekommen bei den Verwandten in Bobikuma wurden wir herzlich begrüßt und bekamen erst mal was zu trinken. Wir saßen in einem kleinen Innenhof und meine Gastmutter unterhielt sich mit den Menschen, die sich dort aufhielten (ich bin mir nicht sicher, wer zu der Familie gehörte und wer ein Bekannter aus der Nachbarschaft war. Verschiedene Personen kamen und gingen, wechselten sich beim Kochen ab oder säuberten den Hof). Ich saß eigentlich überwiegend bloß dabei und war nur gelegentlich in Gespräche involviert, denn es wurde quasi durchgehend Fante gesprochen und ich hatte den Eindruck, dass manche der anwesenden Personen auch kaum Englisch konnten. Der Titel dieses Artikels bedeutet übrigens soviel wie „Tut mir Leid, ich verstehe Sie nicht“.
Trotzdem war es interessant, dort zu sein, da das Leben dort einfach noch ländlicher zu sein schien.
Zwischendurch wurden ich und Kweku (mein Gastbruder) dann noch von einem kleinen Jungen der Familie in die Stadt geführt, um ein paar Eindrücke sammeln zu können. Als es aber dann wieder anfing, so stark zu regnen, standen wir (zusammen mit rund 15 anderen Kindern, die uns auf dem Weg gefolgt waren) erst mal für eine gute Stunde unter einem Vordach und warteten.
Bevor wir wieder nach Hause fuhren, gab es noch eine Riesenportion Fufu (eine Art zäher Brei aus Plantains und Cassava). Da wir kurz nach unserer Ankunft schon Plantains (Kochbananen) gegessen hatten, war ich am Ende des Tages also gut gesättigt.
Fufu stampfen

Auch wenn ich heute eigentlich gar nichts Großes unternommen habe, war es doch ein spannender Tag, vor allem deshalb, weil es mir vorkam, als sei ich wirklich der erste Obruni, also Weiße dort in der Gegend gewesen. Die zwischenmenschlichen Begegnungen und Wahrnehmungen machten den Tag für mich persönlich sehr erlebnisreich.

Freitag, 7. Oktober 2011

Das Fußballmatch

Um euch einen kleinen Einblick in mein Projekt zu ermöglichen, will ich mal meinen heutigen Schultag beschreiben. Das Bild ist aber ehrlich gesagt nicht von heute, sondern von Mittwoch, weil ich da die Kamera mithatte, um für ein paar Kollegen Passfotos zu machen, aber das ist eine andere Geschichte.
Um etwa 7:40 - etwa meine gewohnte Zeit - kam ich an die Schule und begrüßte die ersten Lehrer. Wie sonst oft auch, setzte ich mich an den Tisch, wo die Kinder Schulhefte, Stifte, Radiergummis etc. erwerben können und kümmerte mich um den Verkauf. Um kurz nach 8 klingelte dann die Glocke und alle Schüler versammelten sich im Hof. Die rituelle Morgenansprache und das Gebet folgte, dann marschierten die Klassen nacheinander zur Trommelmusik in ihre Klassenzimmer. Dann war es still und ich war ein bisschen nervös, weil ich Jeffrey, meinen Partnerlehrer noch nicht gesehen hatte.
Glücklicherweise übernahm dann die Direktorin spontan den Unterricht in meiner Klasse: Mathematik. Denn alleine bin ich nicht in der Lage die Klasse zu kontrollieren. Das mag an der Größe der Klasse (es sind meistens so 50-60 Schüler anwesend), dem Alter der Kinder (6-8), der Tatsache, dass ich die Kinder nicht "mit dem Stock belohne" oder dass ich kein ausgebildeter Lehrer bin oder an meiner Hautfarbe liegen. Wahrscheinlich spielt alles mit rein.

"Put your heads down!" - Ein Teil der Klasse ( die fünfte Reihe ganz rechts ist nicht im Bild)

Als Jeffrey dann zum Glück bald da war, ließen wir die Kinder noch Matheaufgaben machen, ehe dann die erste Pause begann. In dieser Zeit ging ich mit ihm in ein nahe gelegenes kleines Restaurant und aß ein lokales Reisgericht. Als nächstes stand Creative Art auf dem Stundenplan und die Schüler hatten die Aufgabe, diverse Küchenutensilien von der Tafel abzumalen. Meine Aufgaben waren derweil, die Matheafgaben zu korrigieren, das Anwesenheitsregister zu führen und die besagten Küchenutensilien an die Tafel zu malen.
Ich war überrascht, dass wir nach dieser Unterrichtseinheit noch Zeit für ein weiteres Fach hatten, denn bisher haben wir immer nur 2 am Tag geschafft. Die jetzige Session hieß "Ghanaian Language", sprich Fante. Da konnte ich gar nicht so viel machen, da ich die Sprache noch nicht beherrsche und dem entsprechend kaum etwas verstand. Nachdem sich die Schüler dann gegen 13 Uhr ihr Essen holten und ihre Aufgaben fertig bearbeitet hatten, tobte der ganze Klassenraum. Alle freuten sich nämlich auf das anstehende Fußballmatch zwischen der 2. und der 3. Klasse. Heute durften die Jungs spielen. Ausgeführt wurde das Spiel im Schulhof, ein paar große Steine dienten als Torbegrenzungen und einer der Lehrer machte den Schiedsrichter. Es ging los und wir (also die 2. Klasse) lagen schon bald in Führung. Das war echt super zu sehen, wie sich die Klasse untereinander bejubelte und sich auch das Lehrer-Schüler-Verhältnis in dieser Stunde veränderte. Jeffrey nahm die Sache recht ernst und schrie seine Anweisungen wie ein richtiger Trainer eines Fußballteams über das Feld. Das war echt lustig und ich hatte meinen Spaß. Das Spiel war auch relativ spannend und die Kinder haben echt gut gespielt. Nach einem 4:4 gab es dann noch Elfmeterschießen, aber letzten Endes haben wir leider verloren.
Um kurz nach 3 gab es dann die tägliche Nachmittagsversammlung im Hof, bevor dann alle ins Wochenende entlassen wurden.
Für mich war dann auch der Schultag zuende und ich machte noch einen Schlenker in die Innenstadt, weil ich noch etwas besorgen wollte. Dann machte ich mich auf den Weg nach Hause.

Jetzt freue ich mich erstmal auf das kommende Wochenende.