"Hello, wie gehts?" - als ich das heute auf einem ruhigen Schleichweg nach hause hörte, war ich erst mal recht überrascht, weil ich keinen Obruni in der Nähe gesehen, sondern nur zwei Herren mittleren Alters auf einer Bank wahrgenommen hatte. Ich drehte mich um und sah die zwei grinsenden Männer an, ebenfalls grinsend, denn wie sich herrausstellte, konnte einer der Herren weitaus mehr deutsch, als diese Floskel. Ich erwiderte also die Begrüßung und es kam zu einem Gespräch mit den beiden äußerst freundlichen Personen. Eine solche Konversation mit Ghanaern hatte ich nun lange nicht mehr erlebt, zum einen, weil sie mitunter dreisprachig war (deutsch, englisch, fante) und zum anderen, weil sich das Gespräch hauptsächlich auf kulturelle Unterschiede zwischen Ghana und Deutschland konzentrierte. Die beiden Männer, "Herr" Mudu und "Herr" Peter, waren nämlich bereits in Deutschland gewesen, was die Unterhaltung sehr interessant werden ließ. Herr Mudu hatte einen Job als Gärtner für 4 Monate in Bayern gehabt . Für diese "kurze" Zeit, die er dort gewesen war, erstaunten mich seine deutschen Sprachkenntnisse. Wir konnten uns bis auf vereinzelte Verständnisschwierigkeiten eigentlich durchgängig auf deutsch unterhalten. Herr Peter ist ein Reisender, der durch Schifffahrt schon in zahlreichen Ländern der Welt war, unter anderem auch in Deutschland für rund einen Monat. Die beiden waren sehr interessiert, wie es mir hier in Ghana geht, wie ich mich gefühlt habe, als ich hier ankam, und was für Erwartungen ich hatte. Ebenso interessant für mich war es, zu erfahren, wie sie Deutschland empfunden haben. Beide äußerten sich positiv z.B. zum Essen, zu den Städten und der Höflichkeit. Aber die Kälte, die hohen Preise und erschreckenderweise, obwohl mir das bewusst war, Rassismus wurde auch angesprochen.
Das Gespräch sprang hin und her zwischen der Beschreibung meines Freiwilligenjahrs, der Schwierigkeit, in Deutschland ghanaisches Essen zu kochen, Indien und Herrn Peters Erfahrungen dort, Vorurteilen gegenüber Ghana und Afrika, Visumskosten, Diskriminierung in Deutschland und Obruni-Rufen in Ghana.
Das Gespräch war so interessant und es hat so viel Spaß gemacht, mich mit diesen reflektierten, sympathischen Männern zu unterhalten, dass ich schließlich erst nach etwa 1 einhalb Stunden meinen Weg nach hause fortsetzte. Die Verabschiedung war sehr herzlich und wir waren uns einig, die Unterhaltung demnächst fortzusetzen.
Als ich dann weitermarschierte, kaufte ich noch ein paar Bo-Froots (eine Art Berliner ohne Füllung und Guss), führte ein paar kleine Gespräche in Fante und musste die ganze Zeit an das wirklich nette Gespräch zurückdenken.
Montag, 19. Dezember 2011
Dienstag, 29. November 2011
Fußball, Schule und Urlaub
Nun ist mein letzter Eintrag schon wieder eine ganz schöne Weile her. Falls ihr hier täglich nach Neuigkeiten gesucht haben solltet, möchte ich mich für die Warterei entschuldigen. Die Zeit vergeht hier relativ schnell und ich habe oft nicht die Ruhe, mich an einen ausführlichen Lagebericht zu setzen.
Mit diesem Post möchte ich kein spezielles Ereignis beschreiben, sondern euch ein paar Bilder zeigen, um euch einen visuellen Eindruck meines ghanaischen Lebens zu geben, zumindest ein kleines Stück weit.
Vielleicht habt ihr durch die Bilder ja ein paar unterbewusste Fragen beantworten können. Bis bald!
Mit diesem Post möchte ich kein spezielles Ereignis beschreiben, sondern euch ein paar Bilder zeigen, um euch einen visuellen Eindruck meines ghanaischen Lebens zu geben, zumindest ein kleines Stück weit.
Vielleicht habt ihr durch die Bilder ja ein paar unterbewusste Fragen beantworten können. Bis bald!
Samstag, 22. Oktober 2011
„Mepa wo tschäu, Mentiase“
Heute
war ich mit meiner Gastmutter und meinem kleinen Gastbruder in
Bobikuma, ein kleiner Ort geschätzte 30 km von Swedru entfernt.
Meine Gastmutter wollte dort ihre Schwägerin besuchen und hatte mich
gefragt, ob ich mitkommen wolle. Da ich sowieso noch nichts geplant
hatte und gerne ein bisschen „rumkommen“ wollte, willigte ich
also ein. Nach dem Waschen meiner Klamotten und einem kleinen
Frühstück ging es dann los. Vom Haus zu Fuß zur Main Road, von der
Main Road mit einem Taxi zur Tro-Tro-Station in der Innenstadt und
von dort mit einem Tro-Tro nach Bobikuma.
| Zusammen mit Tina und Kweku im Tro-Tro |
Tro-Tros
sind übrigens Kleinbusse, die bestimmte Routen fahren. In unserem
waren wir heute mit 13, also verhältnismäßig wenig Leuten, denn
teilweise sind schon mal über 20 Mitfahrer an Bord. Neben dem Fahrer
gibt es auch immer einen „Mate“, der das Geld einsammelt und
während der Fahrt in den Straßen verkündet, wo man hinfährt. Die
heutige Fahrt dauerte etwa 40 Minuten und kostete 1 Cedi, also etwa
50-60 Cent.
Angekommen
bei den Verwandten in Bobikuma wurden wir herzlich begrüßt und
bekamen erst mal was zu trinken. Wir saßen in einem kleinen Innenhof
und meine Gastmutter unterhielt sich mit den Menschen, die sich dort
aufhielten (ich bin mir nicht sicher, wer zu der Familie gehörte und
wer ein Bekannter aus der Nachbarschaft war. Verschiedene Personen
kamen und gingen, wechselten sich beim Kochen ab oder säuberten den
Hof). Ich saß eigentlich überwiegend bloß dabei und war nur
gelegentlich in Gespräche involviert, denn es wurde quasi
durchgehend Fante gesprochen und ich hatte den Eindruck, dass manche
der anwesenden Personen auch kaum Englisch konnten. Der Titel dieses
Artikels bedeutet übrigens soviel wie „Tut mir Leid, ich verstehe
Sie nicht“.
Trotzdem
war es interessant, dort zu sein, da das Leben dort einfach noch
ländlicher zu sein schien.
Zwischendurch
wurden ich und Kweku (mein Gastbruder) dann noch von einem kleinen
Jungen der Familie in die Stadt geführt, um ein paar Eindrücke
sammeln zu können. Als es aber dann wieder anfing, so stark zu
regnen, standen wir (zusammen mit rund 15 anderen Kindern, die uns
auf dem Weg gefolgt waren) erst mal für eine gute Stunde unter einem
Vordach und warteten.
Bevor
wir wieder nach Hause fuhren, gab es noch eine Riesenportion Fufu (eine Art zäher Brei aus Plantains und Cassava). Da wir kurz nach unserer Ankunft schon Plantains (Kochbananen) gegessen
hatten, war ich am Ende des Tages also gut gesättigt.
| Fufu stampfen |
Auch
wenn ich heute eigentlich gar nichts Großes unternommen habe, war es
doch ein spannender Tag, vor allem deshalb, weil es mir vorkam, als
sei ich wirklich der erste Obruni, also Weiße dort in der Gegend
gewesen. Die zwischenmenschlichen Begegnungen und Wahrnehmungen
machten den Tag für mich persönlich sehr erlebnisreich.
Freitag, 7. Oktober 2011
Das Fußballmatch
Um euch einen kleinen Einblick in mein Projekt zu ermöglichen, will ich mal meinen heutigen Schultag beschreiben. Das Bild ist aber ehrlich gesagt nicht von heute, sondern von Mittwoch, weil ich da die Kamera mithatte, um für ein paar Kollegen Passfotos zu machen, aber das ist eine andere Geschichte.
Um etwa 7:40 - etwa meine gewohnte Zeit - kam ich an die Schule und begrüßte die ersten Lehrer. Wie sonst oft auch, setzte ich mich an den Tisch, wo die Kinder Schulhefte, Stifte, Radiergummis etc. erwerben können und kümmerte mich um den Verkauf. Um kurz nach 8 klingelte dann die Glocke und alle Schüler versammelten sich im Hof. Die rituelle Morgenansprache und das Gebet folgte, dann marschierten die Klassen nacheinander zur Trommelmusik in ihre Klassenzimmer. Dann war es still und ich war ein bisschen nervös, weil ich Jeffrey, meinen Partnerlehrer noch nicht gesehen hatte.
Glücklicherweise übernahm dann die Direktorin spontan den Unterricht in meiner Klasse: Mathematik. Denn alleine bin ich nicht in der Lage die Klasse zu kontrollieren. Das mag an der Größe der Klasse (es sind meistens so 50-60 Schüler anwesend), dem Alter der Kinder (6-8), der Tatsache, dass ich die Kinder nicht "mit dem Stock belohne" oder dass ich kein ausgebildeter Lehrer bin oder an meiner Hautfarbe liegen. Wahrscheinlich spielt alles mit rein.
Als Jeffrey dann zum Glück bald da war, ließen wir die Kinder noch Matheaufgaben machen, ehe dann die erste Pause begann. In dieser Zeit ging ich mit ihm in ein nahe gelegenes kleines Restaurant und aß ein lokales Reisgericht. Als nächstes stand Creative Art auf dem Stundenplan und die Schüler hatten die Aufgabe, diverse Küchenutensilien von der Tafel abzumalen. Meine Aufgaben waren derweil, die Matheafgaben zu korrigieren, das Anwesenheitsregister zu führen und die besagten Küchenutensilien an die Tafel zu malen.
Ich war überrascht, dass wir nach dieser Unterrichtseinheit noch Zeit für ein weiteres Fach hatten, denn bisher haben wir immer nur 2 am Tag geschafft. Die jetzige Session hieß "Ghanaian Language", sprich Fante. Da konnte ich gar nicht so viel machen, da ich die Sprache noch nicht beherrsche und dem entsprechend kaum etwas verstand. Nachdem sich die Schüler dann gegen 13 Uhr ihr Essen holten und ihre Aufgaben fertig bearbeitet hatten, tobte der ganze Klassenraum. Alle freuten sich nämlich auf das anstehende Fußballmatch zwischen der 2. und der 3. Klasse. Heute durften die Jungs spielen. Ausgeführt wurde das Spiel im Schulhof, ein paar große Steine dienten als Torbegrenzungen und einer der Lehrer machte den Schiedsrichter. Es ging los und wir (also die 2. Klasse) lagen schon bald in Führung. Das war echt super zu sehen, wie sich die Klasse untereinander bejubelte und sich auch das Lehrer-Schüler-Verhältnis in dieser Stunde veränderte. Jeffrey nahm die Sache recht ernst und schrie seine Anweisungen wie ein richtiger Trainer eines Fußballteams über das Feld. Das war echt lustig und ich hatte meinen Spaß. Das Spiel war auch relativ spannend und die Kinder haben echt gut gespielt. Nach einem 4:4 gab es dann noch Elfmeterschießen, aber letzten Endes haben wir leider verloren.
Um kurz nach 3 gab es dann die tägliche Nachmittagsversammlung im Hof, bevor dann alle ins Wochenende entlassen wurden.
Für mich war dann auch der Schultag zuende und ich machte noch einen Schlenker in die Innenstadt, weil ich noch etwas besorgen wollte. Dann machte ich mich auf den Weg nach Hause.
Jetzt freue ich mich erstmal auf das kommende Wochenende.
Um etwa 7:40 - etwa meine gewohnte Zeit - kam ich an die Schule und begrüßte die ersten Lehrer. Wie sonst oft auch, setzte ich mich an den Tisch, wo die Kinder Schulhefte, Stifte, Radiergummis etc. erwerben können und kümmerte mich um den Verkauf. Um kurz nach 8 klingelte dann die Glocke und alle Schüler versammelten sich im Hof. Die rituelle Morgenansprache und das Gebet folgte, dann marschierten die Klassen nacheinander zur Trommelmusik in ihre Klassenzimmer. Dann war es still und ich war ein bisschen nervös, weil ich Jeffrey, meinen Partnerlehrer noch nicht gesehen hatte.
Glücklicherweise übernahm dann die Direktorin spontan den Unterricht in meiner Klasse: Mathematik. Denn alleine bin ich nicht in der Lage die Klasse zu kontrollieren. Das mag an der Größe der Klasse (es sind meistens so 50-60 Schüler anwesend), dem Alter der Kinder (6-8), der Tatsache, dass ich die Kinder nicht "mit dem Stock belohne" oder dass ich kein ausgebildeter Lehrer bin oder an meiner Hautfarbe liegen. Wahrscheinlich spielt alles mit rein.
| "Put your heads down!" - Ein Teil der Klasse ( die fünfte Reihe ganz rechts ist nicht im Bild) |
Als Jeffrey dann zum Glück bald da war, ließen wir die Kinder noch Matheaufgaben machen, ehe dann die erste Pause begann. In dieser Zeit ging ich mit ihm in ein nahe gelegenes kleines Restaurant und aß ein lokales Reisgericht. Als nächstes stand Creative Art auf dem Stundenplan und die Schüler hatten die Aufgabe, diverse Küchenutensilien von der Tafel abzumalen. Meine Aufgaben waren derweil, die Matheafgaben zu korrigieren, das Anwesenheitsregister zu führen und die besagten Küchenutensilien an die Tafel zu malen.
Ich war überrascht, dass wir nach dieser Unterrichtseinheit noch Zeit für ein weiteres Fach hatten, denn bisher haben wir immer nur 2 am Tag geschafft. Die jetzige Session hieß "Ghanaian Language", sprich Fante. Da konnte ich gar nicht so viel machen, da ich die Sprache noch nicht beherrsche und dem entsprechend kaum etwas verstand. Nachdem sich die Schüler dann gegen 13 Uhr ihr Essen holten und ihre Aufgaben fertig bearbeitet hatten, tobte der ganze Klassenraum. Alle freuten sich nämlich auf das anstehende Fußballmatch zwischen der 2. und der 3. Klasse. Heute durften die Jungs spielen. Ausgeführt wurde das Spiel im Schulhof, ein paar große Steine dienten als Torbegrenzungen und einer der Lehrer machte den Schiedsrichter. Es ging los und wir (also die 2. Klasse) lagen schon bald in Führung. Das war echt super zu sehen, wie sich die Klasse untereinander bejubelte und sich auch das Lehrer-Schüler-Verhältnis in dieser Stunde veränderte. Jeffrey nahm die Sache recht ernst und schrie seine Anweisungen wie ein richtiger Trainer eines Fußballteams über das Feld. Das war echt lustig und ich hatte meinen Spaß. Das Spiel war auch relativ spannend und die Kinder haben echt gut gespielt. Nach einem 4:4 gab es dann noch Elfmeterschießen, aber letzten Endes haben wir leider verloren.
Um kurz nach 3 gab es dann die tägliche Nachmittagsversammlung im Hof, bevor dann alle ins Wochenende entlassen wurden.
Für mich war dann auch der Schultag zuende und ich machte noch einen Schlenker in die Innenstadt, weil ich noch etwas besorgen wollte. Dann machte ich mich auf den Weg nach Hause.
Jetzt freue ich mich erstmal auf das kommende Wochenende.
Dienstag, 27. September 2011
It will definitely rain this evening
Das
sagte mein Partnerlehrer, mit dem ich jetzt die 2. Klasse
unterrichte, heute mittag in der letzten Stunde. In Erinnerung an die
Regenminuten in den letzten Tagen habe ich das aber nicht so ernst
genommen und mich sogar fast schon ein bisschen darauf gefreut, da
der Tag so drückend heiß und sonnig begonnen hatte.
Als
die Schule dann um 15 Uhr schloss, machte ich mich auf den
Nachhauseweg, erste Tropfen fielen – und dann fing es an. Um nicht
klitschnass zu werden, konnte ich mich noch schnell unter ein kleines
Vordach flüchten, wurde aber dann von der Bewohnerin aufgefordert,
ins Haus zu kommen. Am Anfang hatte ich noch gezögert, im Nachhinein
bin ich aber froh, dass ihr folgte, denn der Regen wurde immer
stärker. In der Wohnstube saß ich dann mit der freundlichen Frau
und habe Fernsehen geschaut, erst eine der ghanaischen Soaps, dann
Wrestling. Das war eine recht kuriose Situation, weil ich in dem
fremden Haus etwa eine Stunde saß und mich teilweise auch alleine
dort aufhielt, weil die Frau hin und wieder in eine benachbarte
Wohnung ging, um Essen zu kochen. Als der Regen dann endlich weniger
wurde, machte ich mich wieder auf den Weg, musste aber von meiner
geplanten Route absehen, da sie überflutet war. Nach ein paar
Minuten kam ich dann an einer Wiese vorbei, bei der ich mich
plötzlich fragte, ob sie tatsächlich so dermaßen überflutet sein
konnte oder ob das vielleicht ein kleiner See war, den ich bisher nie
wahrgenommen hatte. Unglaublich. Dann kam ich irgendwann zu einer
Riesenpfütze, die unüberquerbar schien. Während ich da so
durchnässt stand und es noch immer weiter nieselte, beobachtete mich
eine lachende Familie in der Haustür ein paar Meter weiter.
Letztlich halfen sie mir, den Weg zu passieren und wir feierten den
Erfolg. Das war sehr lustig. Endlich zuhause angekommen, habe ich
dann erstmal geduscht und mich frisch gemacht.
Das
war der krasseste Regenfall, den ich hier (und ich glaube auch in
Deutschland) bisher erlebt habe. Was für ein verrücktes Wetter.
Sonntag, 25. September 2011
Festival in Agona Duakwa
Am
17. September bin ich mit ein paar deutschen Freunden mehr oder
weniger spontan nach Agona Duakwa gefahren, um dort ein Festival zu
besuchen. Mit uns fuhren der Gastbruder eines Freiwilligen und dessen
Freund. Das war super, da sich die beiden dort gut auskannten und uns
so ein bisschen durch den Ort (der übrigens geschätzte 20 km von
hier entfernt liegt) führen konnten. Auch wenn das immer wieder ein
merkwürdiges Gefühl ist, in einer größeren Gruppe (von Europäern)
herumzulaufen, da man sich dann gleich wie ein Tourist fühlt, war
das ein echt schöner und erfahrungsreicher Tag. Eine frisch
gepflückte Kakaofrucht zu probieren und generell einfach eine andere
Stadt zu besichtigen, war sehr interessant. Und nicht zuletzt war da
ja noch das Festival. Das Thema der Veranstaltung hieß: „Your
child's education: your future glory“. Es ging also um
Bildungspolitik und Schulsysteme. Dazu waren auch diverse Minister
anwesend, die durch ihr Einfahren in fetten Jeeps einen pompösen
Auftritt hinlegten. Wir hatten aufgrund unserer Plätze in der ersten
Reihe sogar die Chance, allen die Hand zu geben. Leider waren die
Reden überwiegend auf Fante gehalten, aber trotzdem war das Festival
im Großen und Ganzen recht unterhaltend. Neben einem Blasorchester,
einem Trommelensemble und „traditionellen Tänzen“ waren auch
alleine die Gewänder der Stadtoberhäupter spannend anzusehen.
| Der Stadtkönig (glaube ich) hält seine Rede |
Zudem
war natürlich auch die Presse anwesend, die hin und wieder auch
gezielt uns „Obrunis“ filmen zu wollen schien.
Vor
ein paar Tagen sah ich dann einen kurzen Bericht über das Festival
im Fernsehen, aber wir waren leider nicht zu sehen. Trotzdem war es
im Nachhinein ein schönes Gefühl, da gewesen zu sein und so einen
erlebnisreichen Samstag mitgenommen zu haben.
Donnerstag, 22. September 2011
Oburoni, what is your name?
Am 7.
September war es dann endlich soweit: wir lernten unsere Gastfamilien
kennen. Meine Gastfamilie besteht aus meiner Gastmutter, meiner
Gastschwester (25) und meinem Gastbruder (4). Seit dem 13. September
habe ich auch noch einen weiteren, deutschen, Gastbruder, Flo, der
ebenfalls einen Freiwilligendienst über das Weltwärtsprogramm
macht. Die ersten Tage hier in Agona Swedru waren sehr spannend. Ich
lernte so viel Neues kennen, sowohl hier zuhause, als auch in der
Stadt, in der ich mich oft mit Freunden traf. Z.B. hatte ich die
Chance, meine Familie näher kennenzulernen und mich viel mit den
Nachbarn auszutauschen. Da die Arbeit in meiner Einsatzstelle
zunächst noch nicht begann, hatten ich und die anderen Freiwilligen
alle viel Zeit, uns hier einzufinden. Aber ich merke auch, dass ich
noch immer ein bisschen Zeit brauche. Z.B. an den Verkehr in der
Stadt und den Lärm, der einfach überall ist, oder die vielen
forcierten Blicke habe ich mich noch immer nicht gewöhnt. Die
Menschen hier sind im Großen und Ganzen sehr hilfsbereit und
freundlich und auch die kleinen Kinder mit ihren Oburoni-Rufen sind
süß, aber es braucht Zeit, bis ich mich daran gewöhnt habe, als
„Weißer“ einfach überall aufzufallen.
Da ich
eigentlich jeden Tag immer was um die Ohren habe, fehlt mir gerade
die Zeit und die Ruhe, noch weiter auszuholen.
In
diesem Sinne „Oburoni, bye-bye!“
Angekommen
Aber
ich will versuchen, euch dennoch so gut es geht einen groben
Überblick über meine letzten Tage zu geben. Dabei will ich nicht
alles in einen Blogeintrag verpacken, sondern mehrere einzelne
veröffentlichen.
Angefangen
hat alles mit der Abreise am 2. September. Nach dem Abschiednehmen am
Hamburger Flughafen von meiner Familie und guten Freunden ging es
zunächst mit British Airways nach London.
| Abschied in Hamburg |
In
London traf ich dann schließlich auf alle anderen ijgd-Freiwilligen,
die ich nicht schon in Hamburg getroffen habe. Der Flug nach Accra
hatte unglücklicherweise 3 Stunden Verspätung, weil etwas repariert
werden musste, sodass wir erst nachts in Ghanas Hauptstadt ankamen.
Das warme, schwüle Klima war sofort bemerkbar. Einige Mitarbeiter
von ARA brachten uns zu dem ARA-House nach Sakosi, ein kleiner Ort,
der noch der Region „Greater Accra“ angehört. Die folgenden Tage
wurden wir dort vorbereitet. Neben Twi-Lessons (die uns die lokale
Sprache näher bringen sollten) behandelten wir z.B. Themen wie
Religion und Verhaltensregeln. Wir fuhren auch nach Accra und lernten
den ghanaischen Alltag kennen.
Insgesamt
waren diese 5 Tage echt super, weil sie einen guten Einstieg
ermöglicht haben, sich erst mal an das neue Umfeld zu gewöhnen.
| die ijgd-Ghana-Freiwilligen |
Donnerstag, 1. September 2011
Heute ist nicht alle Tage, ich komm wieder, keine Frage!
"Und, bist du schon aufgeregt?" - Ich glaube, je öfter ich das gefragt werde, desto aufgeregter bin ich tatsächlich. Wahrscheinlich, weil ich dann immer wieder feststelle, dass es allen Grund dafür gibt, aufgeregt zu sein, und dass ich die Tatsache, schon morgen in einem fernen Land auf einem fernen Kontinent zu sein, ständig verdränge. Dabei ist die Verdrängung gar nicht negativ gemeint, im Gegenteil, wenn ich an die nächsten Tage, Wochen, Monate denke, bin ich zwar nervös aber gleichzeitig freue ich mich auch schon riesig auf die Abenteuer, die mich in Ghana erwarten. Daher hat das Verdrängen der auf mich zukommenden Zeit sicherlich viel mehr mit dem Abschiedsprozess zu tun. Insbesondere in den letzten Tagen wurde mir bewusst, wie mich das Abschiednehmen von Freunden und meiner Familie psychisch mitnimmt. Der Gedanke, von den mir wichtigen Personen für 11 Monate getrennt zu sein, ist quälend und wird deshalb oft immer wieder gleich von mir unterdrückt. Ich bin sehr gespannt auf die nächsten Wochen, wenn ich mich dann entgültig mit dem neuen Umstand zurechtfinden muss.
Abgesehen von meiner seelisch konfusen Verfassung geht es mir gut. Die letzten Impfungen habe ich ohne große Nebenwirkungen überstanden, die wichtigsten Anschaffungen wurden gemacht und vor allem ist mein Visum endlich da!
Nach den zahlreichen Vorbereitungen und den 3 Vorbereitungsseminaren geht es nun also bald los.
Am Freitag fliege ich von Hamburg nach London und von dort aus dann weiter nach Accra. Bereits in Hamburg werde ich auf andere Freiwillige treffen, die ich auf den Seminaren teilweise schon kennengelernt habe. In Accra werden wir von ARA abgeholt und zum Orientierungsseminar in Accra gebracht, auf dem wir dann vor Ort nochmals vorbereitet werden. Nach diesen 5 Tagen lernen wir dann unsere Gastfamilien und schließlich unsere Einsatzstellen kennen.
Aber bis es soweit ist, heißt es erst mal Sachen packen.
Abgesehen von meiner seelisch konfusen Verfassung geht es mir gut. Die letzten Impfungen habe ich ohne große Nebenwirkungen überstanden, die wichtigsten Anschaffungen wurden gemacht und vor allem ist mein Visum endlich da!
![]() |
| auf dem ersten Vorbereitungsseminar in Asche |
Am Freitag fliege ich von Hamburg nach London und von dort aus dann weiter nach Accra. Bereits in Hamburg werde ich auf andere Freiwillige treffen, die ich auf den Seminaren teilweise schon kennengelernt habe. In Accra werden wir von ARA abgeholt und zum Orientierungsseminar in Accra gebracht, auf dem wir dann vor Ort nochmals vorbereitet werden. Nach diesen 5 Tagen lernen wir dann unsere Gastfamilien und schließlich unsere Einsatzstellen kennen.
Aber bis es soweit ist, heißt es erst mal Sachen packen.
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