Montag, 19. Dezember 2011

Herr Mudu and Herr Peter

"Hello, wie gehts?" - als ich das heute auf einem ruhigen Schleichweg nach hause hörte, war ich erst mal recht überrascht, weil ich keinen Obruni in der Nähe gesehen, sondern nur zwei Herren mittleren Alters auf einer Bank wahrgenommen hatte. Ich drehte mich um und sah die zwei grinsenden Männer an, ebenfalls grinsend, denn wie sich herrausstellte, konnte einer der Herren weitaus mehr deutsch, als diese Floskel. Ich erwiderte also die Begrüßung und es kam zu einem Gespräch mit den beiden äußerst freundlichen Personen. Eine solche Konversation mit Ghanaern hatte ich nun lange nicht mehr erlebt, zum einen, weil sie mitunter dreisprachig war (deutsch, englisch, fante) und zum anderen, weil sich das Gespräch hauptsächlich auf kulturelle Unterschiede zwischen Ghana und Deutschland konzentrierte. Die beiden Männer, "Herr" Mudu und "Herr" Peter, waren nämlich bereits in Deutschland gewesen, was die Unterhaltung sehr interessant werden ließ. Herr Mudu hatte einen Job als Gärtner für 4 Monate in Bayern gehabt . Für diese "kurze" Zeit, die er dort gewesen war, erstaunten mich seine deutschen Sprachkenntnisse. Wir konnten uns bis auf vereinzelte Verständnisschwierigkeiten eigentlich durchgängig auf deutsch unterhalten. Herr Peter ist ein Reisender, der durch Schifffahrt schon in zahlreichen Ländern der Welt war, unter anderem auch in Deutschland für rund einen Monat. Die beiden waren sehr interessiert, wie es mir hier in Ghana geht, wie ich mich gefühlt habe, als ich hier ankam, und was für Erwartungen ich hatte. Ebenso interessant für mich war es, zu erfahren, wie sie Deutschland empfunden haben. Beide äußerten sich positiv z.B. zum Essen, zu den Städten und der Höflichkeit. Aber die Kälte, die hohen Preise und erschreckenderweise, obwohl mir das bewusst war, Rassismus wurde auch angesprochen.
Das Gespräch sprang hin und her zwischen der Beschreibung meines Freiwilligenjahrs, der Schwierigkeit, in Deutschland ghanaisches Essen zu kochen, Indien und Herrn Peters Erfahrungen dort, Vorurteilen gegenüber Ghana und Afrika, Visumskosten, Diskriminierung in Deutschland und Obruni-Rufen in Ghana.
Das Gespräch war so interessant und es hat so viel Spaß gemacht, mich mit diesen reflektierten, sympathischen Männern zu unterhalten, dass ich schließlich erst nach etwa 1 einhalb Stunden meinen Weg nach hause fortsetzte. Die Verabschiedung war sehr herzlich und wir waren uns einig, die Unterhaltung demnächst fortzusetzen.
Als ich dann weitermarschierte, kaufte ich noch ein paar Bo-Froots (eine Art Berliner ohne Füllung und Guss), führte ein paar kleine Gespräche in Fante und musste die ganze Zeit an das wirklich nette Gespräch zurückdenken.

Dienstag, 29. November 2011

Fußball, Schule und Urlaub

Nun ist mein letzter Eintrag schon wieder eine ganz schöne Weile her. Falls ihr hier täglich nach Neuigkeiten gesucht haben solltet, möchte ich mich für die Warterei entschuldigen. Die Zeit vergeht hier relativ schnell und ich habe oft nicht die Ruhe, mich an einen ausführlichen Lagebericht zu setzen.
Mit diesem Post möchte ich kein spezielles Ereignis beschreiben, sondern euch ein paar Bilder zeigen, um euch einen visuellen Eindruck meines ghanaischen Lebens zu geben, zumindest ein kleines Stück weit.

Der Weg zur Schule: auf diesem Bild sieht man Flo, meinen Gastbruder, und Sandra, unsere Nachbarin, die uns an diesem Morgen spontan mit in die Stadt begleitete. Dieser "Trampelpfad" ist eine von mehreren Möglichkeiten, von unserem Haus aus in die Stadt zu laufen. In der Gegend, in der ich wohne, sieht es überall ähnlich aus, wie auf dem Foto. Damit meine ich, dass es hier viel Natur zu sehen gibt, die Häuser nicht aneinander gereiht stehen und man generell eher das Gefühl hat, in einem Dorf zu leben. Vom Haus zur Hauptstraße sind es etwa 10 Minuten zu Fuß, von dort aus dann zum Stadtzentrum oder zu meiner Schule dauert es etwa noch mal 15 Minuten. Auf dieser letzten Strecke sehen die Wege dann nicht mehr so palmenumringt, ruhig und entspannt aus...
Fußball: An diesem Tag stand ein Fußballspiel zwischen dem Kollegium unserer Schule gegen die Lehrer einer anderen Privatschule in Swedru an. Da ich aber kein guter Fußballer bin, kam ich nur als Zuschauer mit und stehe auf dem Foto nicht im Trikot neben meinem Team. Da wir nicht genügend Spieler hatten, wurden noch Freunde der Lehrer und letzten Endes zwei Schüler in die Mannschaft aufgenommen. Die Schüler mussten sich auf die Aufforderung und Motivation der Lehrer schnell und spontan umziehen, als sie mit einigen Mitschülern kamen, um sich das Spiel anzusehen. Insgesamt kamen rund 60 Schüler verschiedener Klassen unserer Schule zu dem Match und um die Chance zu erfgreifen, dieses Fanpotential zu nutzen, machte ich mich daran, mit den Schülern eine Laolawelle hinzubekommen, was ich bereits bei vorigen Fußballspielen zusammen mit meiner Mitfreiwilligen an der Schule versucht hatte. Nach einigen nicht so erfolgreichen Versuchen, hat das dann auch wirklich gut geklappt und viel Spaß gemacht. Insgesamt waren die äußeren Umstände für das Spiel, abgesehen von dem "Fansupport", aber nicht so prickelnd: Zuvor hatte es ordentlich geschauert, so dass der Platz mit großen Pfützen übersäht war und aufgrund des anfänglichen Spielermangels verzögerte sich das Spiel stark in den späten Nachmittag.
Be Happy: Das ist ein Klassenzimmer in einem kleinen Ort in der Nähe von Cape Coast. Ich denke nicht, dass hier zur Zeit noch unterrichtet wird, da sich weder Schulbänke, noch ein Dach in dem Raum befand. Trotzdem war es irgendwie spannend, in diese Klassenräume zu spazieren und sie anzuschauen. An dem Wochenende war ich mit 3 anderen Freiwilligen in dieser Gegend in einem Beach Resort, um für 2 Tage einen Kurzstrandurlaub zu machen.
Music & Dance: Eines meiner Lieblingsbilder. Ein Schnappschuss von vor zwei Wochen, als an einem Freitagnachmittag der Klassenlehrer der 4. Klasse plötzlich anfing, einige Trommeln auf den Schulhof zu bringen, um dort zu musizieren. Einige Jungs waren damit beschäftigt, die Rhythmen, die vom Lehrer vorgegeben wurden, zu trommeln und beinahe die gesamte restliche Schulgemeinschaft fand sich auf dem Schulhof ein, um ihnen dabei zuzusehen oder zu tanzen. Das war auf jeden Fall ein sehr interessanter, abwechslungsreicher Schulnachmittag. Die Bemalung des Jungen links im Bild hat übrigens nichts zu tun mit irgendwelchen rituellen Traditionen, das ist bloß Latif aus der 5., der mit Kreide gespielt hat.



Vielleicht habt ihr durch die Bilder ja ein paar unterbewusste Fragen beantworten können. Bis bald!

Samstag, 22. Oktober 2011

„Mepa wo tschäu, Mentiase“

Heute war ich mit meiner Gastmutter und meinem kleinen Gastbruder in Bobikuma, ein kleiner Ort geschätzte 30 km von Swedru entfernt. Meine Gastmutter wollte dort ihre Schwägerin besuchen und hatte mich gefragt, ob ich mitkommen wolle. Da ich sowieso noch nichts geplant hatte und gerne ein bisschen „rumkommen“ wollte, willigte ich also ein. Nach dem Waschen meiner Klamotten und einem kleinen Frühstück ging es dann los. Vom Haus zu Fuß zur Main Road, von der Main Road mit einem Taxi zur Tro-Tro-Station in der Innenstadt und von dort mit einem Tro-Tro nach Bobikuma.
Zusammen mit Tina und Kweku im Tro-Tro

Tro-Tros sind übrigens Kleinbusse, die bestimmte Routen fahren. In unserem waren wir heute mit 13, also verhältnismäßig wenig Leuten, denn teilweise sind schon mal über 20 Mitfahrer an Bord. Neben dem Fahrer gibt es auch immer einen „Mate“, der das Geld einsammelt und während der Fahrt in den Straßen verkündet, wo man hinfährt. Die heutige Fahrt dauerte etwa 40 Minuten und kostete 1 Cedi, also etwa 50-60 Cent.
Angekommen bei den Verwandten in Bobikuma wurden wir herzlich begrüßt und bekamen erst mal was zu trinken. Wir saßen in einem kleinen Innenhof und meine Gastmutter unterhielt sich mit den Menschen, die sich dort aufhielten (ich bin mir nicht sicher, wer zu der Familie gehörte und wer ein Bekannter aus der Nachbarschaft war. Verschiedene Personen kamen und gingen, wechselten sich beim Kochen ab oder säuberten den Hof). Ich saß eigentlich überwiegend bloß dabei und war nur gelegentlich in Gespräche involviert, denn es wurde quasi durchgehend Fante gesprochen und ich hatte den Eindruck, dass manche der anwesenden Personen auch kaum Englisch konnten. Der Titel dieses Artikels bedeutet übrigens soviel wie „Tut mir Leid, ich verstehe Sie nicht“.
Trotzdem war es interessant, dort zu sein, da das Leben dort einfach noch ländlicher zu sein schien.
Zwischendurch wurden ich und Kweku (mein Gastbruder) dann noch von einem kleinen Jungen der Familie in die Stadt geführt, um ein paar Eindrücke sammeln zu können. Als es aber dann wieder anfing, so stark zu regnen, standen wir (zusammen mit rund 15 anderen Kindern, die uns auf dem Weg gefolgt waren) erst mal für eine gute Stunde unter einem Vordach und warteten.
Bevor wir wieder nach Hause fuhren, gab es noch eine Riesenportion Fufu (eine Art zäher Brei aus Plantains und Cassava). Da wir kurz nach unserer Ankunft schon Plantains (Kochbananen) gegessen hatten, war ich am Ende des Tages also gut gesättigt.
Fufu stampfen

Auch wenn ich heute eigentlich gar nichts Großes unternommen habe, war es doch ein spannender Tag, vor allem deshalb, weil es mir vorkam, als sei ich wirklich der erste Obruni, also Weiße dort in der Gegend gewesen. Die zwischenmenschlichen Begegnungen und Wahrnehmungen machten den Tag für mich persönlich sehr erlebnisreich.

Freitag, 7. Oktober 2011

Das Fußballmatch

Um euch einen kleinen Einblick in mein Projekt zu ermöglichen, will ich mal meinen heutigen Schultag beschreiben. Das Bild ist aber ehrlich gesagt nicht von heute, sondern von Mittwoch, weil ich da die Kamera mithatte, um für ein paar Kollegen Passfotos zu machen, aber das ist eine andere Geschichte.
Um etwa 7:40 - etwa meine gewohnte Zeit - kam ich an die Schule und begrüßte die ersten Lehrer. Wie sonst oft auch, setzte ich mich an den Tisch, wo die Kinder Schulhefte, Stifte, Radiergummis etc. erwerben können und kümmerte mich um den Verkauf. Um kurz nach 8 klingelte dann die Glocke und alle Schüler versammelten sich im Hof. Die rituelle Morgenansprache und das Gebet folgte, dann marschierten die Klassen nacheinander zur Trommelmusik in ihre Klassenzimmer. Dann war es still und ich war ein bisschen nervös, weil ich Jeffrey, meinen Partnerlehrer noch nicht gesehen hatte.
Glücklicherweise übernahm dann die Direktorin spontan den Unterricht in meiner Klasse: Mathematik. Denn alleine bin ich nicht in der Lage die Klasse zu kontrollieren. Das mag an der Größe der Klasse (es sind meistens so 50-60 Schüler anwesend), dem Alter der Kinder (6-8), der Tatsache, dass ich die Kinder nicht "mit dem Stock belohne" oder dass ich kein ausgebildeter Lehrer bin oder an meiner Hautfarbe liegen. Wahrscheinlich spielt alles mit rein.

"Put your heads down!" - Ein Teil der Klasse ( die fünfte Reihe ganz rechts ist nicht im Bild)

Als Jeffrey dann zum Glück bald da war, ließen wir die Kinder noch Matheaufgaben machen, ehe dann die erste Pause begann. In dieser Zeit ging ich mit ihm in ein nahe gelegenes kleines Restaurant und aß ein lokales Reisgericht. Als nächstes stand Creative Art auf dem Stundenplan und die Schüler hatten die Aufgabe, diverse Küchenutensilien von der Tafel abzumalen. Meine Aufgaben waren derweil, die Matheafgaben zu korrigieren, das Anwesenheitsregister zu führen und die besagten Küchenutensilien an die Tafel zu malen.
Ich war überrascht, dass wir nach dieser Unterrichtseinheit noch Zeit für ein weiteres Fach hatten, denn bisher haben wir immer nur 2 am Tag geschafft. Die jetzige Session hieß "Ghanaian Language", sprich Fante. Da konnte ich gar nicht so viel machen, da ich die Sprache noch nicht beherrsche und dem entsprechend kaum etwas verstand. Nachdem sich die Schüler dann gegen 13 Uhr ihr Essen holten und ihre Aufgaben fertig bearbeitet hatten, tobte der ganze Klassenraum. Alle freuten sich nämlich auf das anstehende Fußballmatch zwischen der 2. und der 3. Klasse. Heute durften die Jungs spielen. Ausgeführt wurde das Spiel im Schulhof, ein paar große Steine dienten als Torbegrenzungen und einer der Lehrer machte den Schiedsrichter. Es ging los und wir (also die 2. Klasse) lagen schon bald in Führung. Das war echt super zu sehen, wie sich die Klasse untereinander bejubelte und sich auch das Lehrer-Schüler-Verhältnis in dieser Stunde veränderte. Jeffrey nahm die Sache recht ernst und schrie seine Anweisungen wie ein richtiger Trainer eines Fußballteams über das Feld. Das war echt lustig und ich hatte meinen Spaß. Das Spiel war auch relativ spannend und die Kinder haben echt gut gespielt. Nach einem 4:4 gab es dann noch Elfmeterschießen, aber letzten Endes haben wir leider verloren.
Um kurz nach 3 gab es dann die tägliche Nachmittagsversammlung im Hof, bevor dann alle ins Wochenende entlassen wurden.
Für mich war dann auch der Schultag zuende und ich machte noch einen Schlenker in die Innenstadt, weil ich noch etwas besorgen wollte. Dann machte ich mich auf den Weg nach Hause.

Jetzt freue ich mich erstmal auf das kommende Wochenende.

Dienstag, 27. September 2011

It will definitely rain this evening


Das sagte mein Partnerlehrer, mit dem ich jetzt die 2. Klasse unterrichte, heute mittag in der letzten Stunde. In Erinnerung an die Regenminuten in den letzten Tagen habe ich das aber nicht so ernst genommen und mich sogar fast schon ein bisschen darauf gefreut, da der Tag so drückend heiß und sonnig begonnen hatte.
Als die Schule dann um 15 Uhr schloss, machte ich mich auf den Nachhauseweg, erste Tropfen fielen – und dann fing es an. Um nicht klitschnass zu werden, konnte ich mich noch schnell unter ein kleines Vordach flüchten, wurde aber dann von der Bewohnerin aufgefordert, ins Haus zu kommen. Am Anfang hatte ich noch gezögert, im Nachhinein bin ich aber froh, dass ihr folgte, denn der Regen wurde immer stärker. In der Wohnstube saß ich dann mit der freundlichen Frau und habe Fernsehen geschaut, erst eine der ghanaischen Soaps, dann Wrestling. Das war eine recht kuriose Situation, weil ich in dem fremden Haus etwa eine Stunde saß und mich teilweise auch alleine dort aufhielt, weil die Frau hin und wieder in eine benachbarte Wohnung ging, um Essen zu kochen. Als der Regen dann endlich weniger wurde, machte ich mich wieder auf den Weg, musste aber von meiner geplanten Route absehen, da sie überflutet war. Nach ein paar Minuten kam ich dann an einer Wiese vorbei, bei der ich mich plötzlich fragte, ob sie tatsächlich so dermaßen überflutet sein konnte oder ob das vielleicht ein kleiner See war, den ich bisher nie wahrgenommen hatte. Unglaublich. Dann kam ich irgendwann zu einer Riesenpfütze, die unüberquerbar schien. Während ich da so durchnässt stand und es noch immer weiter nieselte, beobachtete mich eine lachende Familie in der Haustür ein paar Meter weiter. Letztlich halfen sie mir, den Weg zu passieren und wir feierten den Erfolg. Das war sehr lustig. Endlich zuhause angekommen, habe ich dann erstmal geduscht und mich frisch gemacht.
Das war der krasseste Regenfall, den ich hier (und ich glaube auch in Deutschland) bisher erlebt habe. Was für ein verrücktes Wetter.

Sonntag, 25. September 2011

Festival in Agona Duakwa


Am 17. September bin ich mit ein paar deutschen Freunden mehr oder weniger spontan nach Agona Duakwa gefahren, um dort ein Festival zu besuchen. Mit uns fuhren der Gastbruder eines Freiwilligen und dessen Freund. Das war super, da sich die beiden dort gut auskannten und uns so ein bisschen durch den Ort (der übrigens geschätzte 20 km von hier entfernt liegt) führen konnten. Auch wenn das immer wieder ein merkwürdiges Gefühl ist, in einer größeren Gruppe (von Europäern) herumzulaufen, da man sich dann gleich wie ein Tourist fühlt, war das ein echt schöner und erfahrungsreicher Tag. Eine frisch gepflückte Kakaofrucht zu probieren und generell einfach eine andere Stadt zu besichtigen, war sehr interessant. Und nicht zuletzt war da ja noch das Festival. Das Thema der Veranstaltung hieß: „Your child's education: your future glory“. Es ging also um Bildungspolitik und Schulsysteme. Dazu waren auch diverse Minister anwesend, die durch ihr Einfahren in fetten Jeeps einen pompösen Auftritt hinlegten. Wir hatten aufgrund unserer Plätze in der ersten Reihe sogar die Chance, allen die Hand zu geben. Leider waren die Reden überwiegend auf Fante gehalten, aber trotzdem war das Festival im Großen und Ganzen recht unterhaltend. Neben einem Blasorchester, einem Trommelensemble und „traditionellen Tänzen“ waren auch alleine die Gewänder der Stadtoberhäupter spannend anzusehen. 

Der Stadtkönig (glaube ich) hält seine Rede
 
Zudem war natürlich auch die Presse anwesend, die hin und wieder auch gezielt uns „Obrunis“ filmen zu wollen schien.
Vor ein paar Tagen sah ich dann einen kurzen Bericht über das Festival im Fernsehen, aber wir waren leider nicht zu sehen. Trotzdem war es im Nachhinein ein schönes Gefühl, da gewesen zu sein und so einen erlebnisreichen Samstag mitgenommen zu haben.

Donnerstag, 22. September 2011

Oburoni, what is your name?


Am 7. September war es dann endlich soweit: wir lernten unsere Gastfamilien kennen. Meine Gastfamilie besteht aus meiner Gastmutter, meiner Gastschwester (25) und meinem Gastbruder (4). Seit dem 13. September habe ich auch noch einen weiteren, deutschen, Gastbruder, Flo, der ebenfalls einen Freiwilligendienst über das Weltwärtsprogramm macht. Die ersten Tage hier in Agona Swedru waren sehr spannend. Ich lernte so viel Neues kennen, sowohl hier zuhause, als auch in der Stadt, in der ich mich oft mit Freunden traf. Z.B. hatte ich die Chance, meine Familie näher kennenzulernen und mich viel mit den Nachbarn auszutauschen. Da die Arbeit in meiner Einsatzstelle zunächst noch nicht begann, hatten ich und die anderen Freiwilligen alle viel Zeit, uns hier einzufinden. Aber ich merke auch, dass ich noch immer ein bisschen Zeit brauche. Z.B. an den Verkehr in der Stadt und den Lärm, der einfach überall ist, oder die vielen forcierten Blicke habe ich mich noch immer nicht gewöhnt. Die Menschen hier sind im Großen und Ganzen sehr hilfsbereit und freundlich und auch die kleinen Kinder mit ihren Oburoni-Rufen sind süß, aber es braucht Zeit, bis ich mich daran gewöhnt habe, als „Weißer“ einfach überall aufzufallen.
Da ich eigentlich jeden Tag immer was um die Ohren habe, fehlt mir gerade die Zeit und die Ruhe, noch weiter auszuholen.
In diesem Sinne „Oburoni, bye-bye!“

Angekommen

Das ist also endlich der erste Blogeintrag aus Ghana. In den letzten drei Wochen habe ich so unglaublich viel erlebt, dass es unmöglich ist, alle meine Eindrücke hier zusammenzustellen.
Aber ich will versuchen, euch dennoch so gut es geht einen groben Überblick über meine letzten Tage zu geben. Dabei will ich nicht alles in einen Blogeintrag verpacken, sondern mehrere einzelne veröffentlichen.
Angefangen hat alles mit der Abreise am 2. September. Nach dem Abschiednehmen am Hamburger Flughafen von meiner Familie und guten Freunden ging es zunächst mit British Airways nach London. 

Abschied in Hamburg
 
In London traf ich dann schließlich auf alle anderen ijgd-Freiwilligen, die ich nicht schon in Hamburg getroffen habe. Der Flug nach Accra hatte unglücklicherweise 3 Stunden Verspätung, weil etwas repariert werden musste, sodass wir erst nachts in Ghanas Hauptstadt ankamen. Das warme, schwüle Klima war sofort bemerkbar. Einige Mitarbeiter von ARA brachten uns zu dem ARA-House nach Sakosi, ein kleiner Ort, der noch der Region „Greater Accra“ angehört. Die folgenden Tage wurden wir dort vorbereitet. Neben Twi-Lessons (die uns die lokale Sprache näher bringen sollten) behandelten wir z.B. Themen wie Religion und Verhaltensregeln. Wir fuhren auch nach Accra und lernten den ghanaischen Alltag kennen.
Insgesamt waren diese 5 Tage echt super, weil sie einen guten Einstieg ermöglicht haben, sich erst mal an das neue Umfeld zu gewöhnen.

die ijgd-Ghana-Freiwilligen
 

Donnerstag, 1. September 2011

Heute ist nicht alle Tage, ich komm wieder, keine Frage!

"Und, bist du schon aufgeregt?" - Ich glaube, je öfter ich das gefragt werde, desto aufgeregter bin ich tatsächlich. Wahrscheinlich, weil ich dann immer wieder feststelle, dass es allen Grund dafür gibt, aufgeregt zu sein, und dass ich die Tatsache, schon morgen in einem fernen Land auf einem fernen Kontinent zu sein, ständig verdränge. Dabei ist die Verdrängung gar nicht negativ gemeint, im Gegenteil, wenn ich an die nächsten Tage, Wochen, Monate denke, bin ich zwar nervös aber gleichzeitig freue ich mich auch schon riesig auf die Abenteuer, die mich in Ghana erwarten. Daher hat das Verdrängen der auf mich zukommenden Zeit sicherlich viel mehr mit dem Abschiedsprozess zu tun. Insbesondere in den letzten Tagen wurde mir bewusst, wie mich das Abschiednehmen von Freunden und meiner Familie psychisch mitnimmt. Der Gedanke, von den mir wichtigen Personen für 11 Monate getrennt zu sein, ist quälend und wird deshalb oft immer wieder gleich von mir unterdrückt. Ich bin sehr gespannt auf die nächsten Wochen, wenn ich mich dann entgültig mit dem neuen Umstand zurechtfinden muss.

Abgesehen von meiner seelisch konfusen Verfassung geht es mir gut. Die letzten Impfungen habe ich ohne große Nebenwirkungen überstanden, die wichtigsten Anschaffungen wurden gemacht und vor allem ist mein Visum endlich da!

auf dem ersten Vorbereitungsseminar in Asche
Nach den zahlreichen Vorbereitungen und den 3 Vorbereitungsseminaren geht es nun also bald los.
Am Freitag fliege ich von Hamburg nach London und von dort aus dann weiter nach Accra. Bereits in Hamburg werde ich auf andere Freiwillige treffen, die ich auf den Seminaren teilweise schon kennengelernt habe. In Accra werden wir von ARA abgeholt und zum Orientierungsseminar in Accra gebracht, auf dem wir dann vor Ort nochmals vorbereitet werden. Nach diesen 5 Tagen lernen wir dann unsere Gastfamilien und schließlich unsere Einsatzstellen kennen.

Aber bis es soweit ist, heißt es erst mal Sachen packen.