Dienstag, 27. September 2011

It will definitely rain this evening


Das sagte mein Partnerlehrer, mit dem ich jetzt die 2. Klasse unterrichte, heute mittag in der letzten Stunde. In Erinnerung an die Regenminuten in den letzten Tagen habe ich das aber nicht so ernst genommen und mich sogar fast schon ein bisschen darauf gefreut, da der Tag so drückend heiß und sonnig begonnen hatte.
Als die Schule dann um 15 Uhr schloss, machte ich mich auf den Nachhauseweg, erste Tropfen fielen – und dann fing es an. Um nicht klitschnass zu werden, konnte ich mich noch schnell unter ein kleines Vordach flüchten, wurde aber dann von der Bewohnerin aufgefordert, ins Haus zu kommen. Am Anfang hatte ich noch gezögert, im Nachhinein bin ich aber froh, dass ihr folgte, denn der Regen wurde immer stärker. In der Wohnstube saß ich dann mit der freundlichen Frau und habe Fernsehen geschaut, erst eine der ghanaischen Soaps, dann Wrestling. Das war eine recht kuriose Situation, weil ich in dem fremden Haus etwa eine Stunde saß und mich teilweise auch alleine dort aufhielt, weil die Frau hin und wieder in eine benachbarte Wohnung ging, um Essen zu kochen. Als der Regen dann endlich weniger wurde, machte ich mich wieder auf den Weg, musste aber von meiner geplanten Route absehen, da sie überflutet war. Nach ein paar Minuten kam ich dann an einer Wiese vorbei, bei der ich mich plötzlich fragte, ob sie tatsächlich so dermaßen überflutet sein konnte oder ob das vielleicht ein kleiner See war, den ich bisher nie wahrgenommen hatte. Unglaublich. Dann kam ich irgendwann zu einer Riesenpfütze, die unüberquerbar schien. Während ich da so durchnässt stand und es noch immer weiter nieselte, beobachtete mich eine lachende Familie in der Haustür ein paar Meter weiter. Letztlich halfen sie mir, den Weg zu passieren und wir feierten den Erfolg. Das war sehr lustig. Endlich zuhause angekommen, habe ich dann erstmal geduscht und mich frisch gemacht.
Das war der krasseste Regenfall, den ich hier (und ich glaube auch in Deutschland) bisher erlebt habe. Was für ein verrücktes Wetter.

Sonntag, 25. September 2011

Festival in Agona Duakwa


Am 17. September bin ich mit ein paar deutschen Freunden mehr oder weniger spontan nach Agona Duakwa gefahren, um dort ein Festival zu besuchen. Mit uns fuhren der Gastbruder eines Freiwilligen und dessen Freund. Das war super, da sich die beiden dort gut auskannten und uns so ein bisschen durch den Ort (der übrigens geschätzte 20 km von hier entfernt liegt) führen konnten. Auch wenn das immer wieder ein merkwürdiges Gefühl ist, in einer größeren Gruppe (von Europäern) herumzulaufen, da man sich dann gleich wie ein Tourist fühlt, war das ein echt schöner und erfahrungsreicher Tag. Eine frisch gepflückte Kakaofrucht zu probieren und generell einfach eine andere Stadt zu besichtigen, war sehr interessant. Und nicht zuletzt war da ja noch das Festival. Das Thema der Veranstaltung hieß: „Your child's education: your future glory“. Es ging also um Bildungspolitik und Schulsysteme. Dazu waren auch diverse Minister anwesend, die durch ihr Einfahren in fetten Jeeps einen pompösen Auftritt hinlegten. Wir hatten aufgrund unserer Plätze in der ersten Reihe sogar die Chance, allen die Hand zu geben. Leider waren die Reden überwiegend auf Fante gehalten, aber trotzdem war das Festival im Großen und Ganzen recht unterhaltend. Neben einem Blasorchester, einem Trommelensemble und „traditionellen Tänzen“ waren auch alleine die Gewänder der Stadtoberhäupter spannend anzusehen. 

Der Stadtkönig (glaube ich) hält seine Rede
 
Zudem war natürlich auch die Presse anwesend, die hin und wieder auch gezielt uns „Obrunis“ filmen zu wollen schien.
Vor ein paar Tagen sah ich dann einen kurzen Bericht über das Festival im Fernsehen, aber wir waren leider nicht zu sehen. Trotzdem war es im Nachhinein ein schönes Gefühl, da gewesen zu sein und so einen erlebnisreichen Samstag mitgenommen zu haben.

Donnerstag, 22. September 2011

Oburoni, what is your name?


Am 7. September war es dann endlich soweit: wir lernten unsere Gastfamilien kennen. Meine Gastfamilie besteht aus meiner Gastmutter, meiner Gastschwester (25) und meinem Gastbruder (4). Seit dem 13. September habe ich auch noch einen weiteren, deutschen, Gastbruder, Flo, der ebenfalls einen Freiwilligendienst über das Weltwärtsprogramm macht. Die ersten Tage hier in Agona Swedru waren sehr spannend. Ich lernte so viel Neues kennen, sowohl hier zuhause, als auch in der Stadt, in der ich mich oft mit Freunden traf. Z.B. hatte ich die Chance, meine Familie näher kennenzulernen und mich viel mit den Nachbarn auszutauschen. Da die Arbeit in meiner Einsatzstelle zunächst noch nicht begann, hatten ich und die anderen Freiwilligen alle viel Zeit, uns hier einzufinden. Aber ich merke auch, dass ich noch immer ein bisschen Zeit brauche. Z.B. an den Verkehr in der Stadt und den Lärm, der einfach überall ist, oder die vielen forcierten Blicke habe ich mich noch immer nicht gewöhnt. Die Menschen hier sind im Großen und Ganzen sehr hilfsbereit und freundlich und auch die kleinen Kinder mit ihren Oburoni-Rufen sind süß, aber es braucht Zeit, bis ich mich daran gewöhnt habe, als „Weißer“ einfach überall aufzufallen.
Da ich eigentlich jeden Tag immer was um die Ohren habe, fehlt mir gerade die Zeit und die Ruhe, noch weiter auszuholen.
In diesem Sinne „Oburoni, bye-bye!“

Angekommen

Das ist also endlich der erste Blogeintrag aus Ghana. In den letzten drei Wochen habe ich so unglaublich viel erlebt, dass es unmöglich ist, alle meine Eindrücke hier zusammenzustellen.
Aber ich will versuchen, euch dennoch so gut es geht einen groben Überblick über meine letzten Tage zu geben. Dabei will ich nicht alles in einen Blogeintrag verpacken, sondern mehrere einzelne veröffentlichen.
Angefangen hat alles mit der Abreise am 2. September. Nach dem Abschiednehmen am Hamburger Flughafen von meiner Familie und guten Freunden ging es zunächst mit British Airways nach London. 

Abschied in Hamburg
 
In London traf ich dann schließlich auf alle anderen ijgd-Freiwilligen, die ich nicht schon in Hamburg getroffen habe. Der Flug nach Accra hatte unglücklicherweise 3 Stunden Verspätung, weil etwas repariert werden musste, sodass wir erst nachts in Ghanas Hauptstadt ankamen. Das warme, schwüle Klima war sofort bemerkbar. Einige Mitarbeiter von ARA brachten uns zu dem ARA-House nach Sakosi, ein kleiner Ort, der noch der Region „Greater Accra“ angehört. Die folgenden Tage wurden wir dort vorbereitet. Neben Twi-Lessons (die uns die lokale Sprache näher bringen sollten) behandelten wir z.B. Themen wie Religion und Verhaltensregeln. Wir fuhren auch nach Accra und lernten den ghanaischen Alltag kennen.
Insgesamt waren diese 5 Tage echt super, weil sie einen guten Einstieg ermöglicht haben, sich erst mal an das neue Umfeld zu gewöhnen.

die ijgd-Ghana-Freiwilligen
 

Donnerstag, 1. September 2011

Heute ist nicht alle Tage, ich komm wieder, keine Frage!

"Und, bist du schon aufgeregt?" - Ich glaube, je öfter ich das gefragt werde, desto aufgeregter bin ich tatsächlich. Wahrscheinlich, weil ich dann immer wieder feststelle, dass es allen Grund dafür gibt, aufgeregt zu sein, und dass ich die Tatsache, schon morgen in einem fernen Land auf einem fernen Kontinent zu sein, ständig verdränge. Dabei ist die Verdrängung gar nicht negativ gemeint, im Gegenteil, wenn ich an die nächsten Tage, Wochen, Monate denke, bin ich zwar nervös aber gleichzeitig freue ich mich auch schon riesig auf die Abenteuer, die mich in Ghana erwarten. Daher hat das Verdrängen der auf mich zukommenden Zeit sicherlich viel mehr mit dem Abschiedsprozess zu tun. Insbesondere in den letzten Tagen wurde mir bewusst, wie mich das Abschiednehmen von Freunden und meiner Familie psychisch mitnimmt. Der Gedanke, von den mir wichtigen Personen für 11 Monate getrennt zu sein, ist quälend und wird deshalb oft immer wieder gleich von mir unterdrückt. Ich bin sehr gespannt auf die nächsten Wochen, wenn ich mich dann entgültig mit dem neuen Umstand zurechtfinden muss.

Abgesehen von meiner seelisch konfusen Verfassung geht es mir gut. Die letzten Impfungen habe ich ohne große Nebenwirkungen überstanden, die wichtigsten Anschaffungen wurden gemacht und vor allem ist mein Visum endlich da!

auf dem ersten Vorbereitungsseminar in Asche
Nach den zahlreichen Vorbereitungen und den 3 Vorbereitungsseminaren geht es nun also bald los.
Am Freitag fliege ich von Hamburg nach London und von dort aus dann weiter nach Accra. Bereits in Hamburg werde ich auf andere Freiwillige treffen, die ich auf den Seminaren teilweise schon kennengelernt habe. In Accra werden wir von ARA abgeholt und zum Orientierungsseminar in Accra gebracht, auf dem wir dann vor Ort nochmals vorbereitet werden. Nach diesen 5 Tagen lernen wir dann unsere Gastfamilien und schließlich unsere Einsatzstellen kennen.

Aber bis es soweit ist, heißt es erst mal Sachen packen.