Nach langer Zeit von immerhin knapp 2 Monaten wird es mal wieder Zeit, etwas zu posten.
Bitte entschuldigt das Warten, aber die bereits in einem vorigen Post geschilderten Umstaende, die mich davon abhalten, hier etwas zu schreiben, haben sich nicht gebessert. Im Gegenteil, es kommt mir vor, als habe ich zunehmend weniger Zeit, weniger Internet und weniger zu erzaehlen. Letzteres ist wahrscheinlich gar nicht so, aber je laenger ich in Ghana bin, desto gewohnter und "langweiliger" empfinde ich das Leben hier fuer mich selbst.
Da ich zur Zeit viel darueber nachdenke, wie ich am besten meinen I.C.T.-Unterricht fuer die letzten Wochen gestalten kann, kam mir der Gedanke, euch daran in einem Artikel teilhaben zu lassen. Vielleicht koennt ihr dadurch auch am Rande Fragen zu meiner Arbeit fuer euch klaeren. Bitte seid aber darauf hingewiesen, dass dies ein sehr breites Thema ist. Es haengen so viele Umstaende und Informationen zu dem gesamten Schulsystem mit meinem kleinen Problem zusammen, die ich nicht alle in diesem Beitrag diskutieren kann und will.
Meine beiden Unterrichtsfaecher (in der 2. Klasse) sind I.C.T. und Creative Arts, sozusagen Computerkunde und Kunst. In Creative Arts lasse ich die SchuelerInnen oft malen und fuehre hin und wieder kleine Bastelprojekte durch. In I.C.T. hingegen ist es meine Aufgabe, den Kindern den Umgang mit dem Computer naeher zu bringen. Dies ist jedoch gar nicht so einfach, aus drei Hauptgruenden: 1. es gibt nur einen laufenden Computer an der Schule, 2. es sind (zu) viele SchuelerInnen in der Klasse und 3. es gibt nur einen laufenden Computer an der Schule. Das ist wirklich ein Problem, da auch meine Lehrbuecher auf praxisbezogenen Unterricht aufgebaut sind. Um es euch direkt an einem Beispiel zu zeigen: Dragging ist ein Thema in der 2. Klasse. Dragging nennt man das Bewegen eines Objekts mithilfe des Mauszeigers. Damit zusammen haengt dann das naechste Thema: Introduction into game applications. Im Lehrbuch sieht das so aus, dass ich den Kindern die Spielregeln von Solitaer beibringen soll, da Solitaer eben eine gute Methode bietet, Dragging spielerisch und praktisch zu lernen. Aber wie gesagt, es gibt nur einen laufenden Computer an der Schule. Die Haelfte der SchuelerInnen haben keinen PC zuhause und haben schon Probleme, die Maus richtig zu halten. Da faellt es mir schwer, Theoriewissen von etwas zu vermitteln, zu dem jegliche Praxis fehlt. Die Frage, ob es den SchuelerInnen beim Verstaendnis leicht faellt, erklaert sich wohl von alleine.
Da ich also daran gehindert bin, die Computerspiele zu unterrichten, habe ich mittlerweile die restlichen Themen, zumindest in der Theorie, fertig behandelt. Nun habe ich jedes mal aufs neue das Problem, einen sinnvollen und fachbezogenen Unterrichtsstoff zu finden. Neben Wiederholungen der durchgenommenen Themen, habe ich mir nun schon andere Lehrbuecher auch aus anderen Klassen zur Hilfe genommen und habe sogar versucht, einen "Keyboard-Song", ein Lied ueber die Tastatur mit den Kindern zu singen. Das alles ist aber nicht befriedigend, weil das Theoriewissen alleine den SchuelerInnen meiner Meinung nach kein bisschen hilft. Daher versuche ich manchmal, einen Praxistag einzulegen, an dem sich jeder mal an der Maus oder am Keyboard probieren kann. Aber ungluecklicherweise gibt es nur einen laufenden Computer an der Schule und rund 60 SchuelerInnen, die sich dahinter setzen wollen. Die grosse Anzahl der Kinder ist naemlich ein weiteres Hindernis fuer mich, guten (vor allem Praxis-)Unterricht zu machen. In der Regel hole ich immer eine Sitzreihe bzw. bis zu 10 SchulerInnen zu mir nach vorne und erklaere oder helfe ihnen am Computer. Doch ohne die Assistenz oder Anwesenheit meines ghanaischen Arbeitspartners kann ich das eigentlich auch vergessen, da meine Autoritaet aus verschiedenen Gruenden nicht dafuer ausreicht, ein Chaos zu vermeiden, das entsteht, wenn jeder das Geschehen auf dem Monitor verfolgen will. Deshalb lasse ich die untaetigen Reihen dann in der Zeit etwas von der Tafel abschreiben, aber trotzdem: it is not easy oo!
Das ist ein sehr gerne von Ghanaern verwendetes Zitat. Das oo! laesst sich uebrigens praktisch an jeden Satz haengen, um ihn noch zu verstaerken. Man hoert (oder sagt mittlerweile) auch oefter mal: It is nice oo!, I like it oo! oder Good morning oo!
Falls der Eindruck entstanden sein sollte, dass ich bei meiner Arbeit nur mit Problemen konfrontiert bin, moechte ich mich fuer meinen sarkastischen Ausdrucksstil entschuldigen. Ich bin sehr zufrieden in meiner Einsatzstelle, aber dieser Umstand laesst mich zur Zeit viel nachdenken. Natuerlich habe ich auch geschaut, wie andere LehrerInnen damit umgehen, aber an unserer Schule habe ich das Gefuehl, dass I.C.T. insgesamt eher vernachlaessigt bzw. einfach theoretisch unterrichtet wird. An anderen Schulen gibt es teilweise ganz andere Voraussetzungen, einige haben sogar PC-labs mit mehr als einem laufenden Computer an der Schule.
Das wars wieder von mir, es wird langsam spaet und ich gehe jetzt lieber nach hause, um noch ueber meine naechste I.C.T.-Stunde nachzudenken.
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