"Hello, wie gehts?" - als ich das heute auf einem ruhigen Schleichweg nach hause hörte, war ich erst mal recht überrascht, weil ich keinen Obruni in der Nähe gesehen, sondern nur zwei Herren mittleren Alters auf einer Bank wahrgenommen hatte. Ich drehte mich um und sah die zwei grinsenden Männer an, ebenfalls grinsend, denn wie sich herrausstellte, konnte einer der Herren weitaus mehr deutsch, als diese Floskel. Ich erwiderte also die Begrüßung und es kam zu einem Gespräch mit den beiden äußerst freundlichen Personen. Eine solche Konversation mit Ghanaern hatte ich nun lange nicht mehr erlebt, zum einen, weil sie mitunter dreisprachig war (deutsch, englisch, fante) und zum anderen, weil sich das Gespräch hauptsächlich auf kulturelle Unterschiede zwischen Ghana und Deutschland konzentrierte. Die beiden Männer, "Herr" Mudu und "Herr" Peter, waren nämlich bereits in Deutschland gewesen, was die Unterhaltung sehr interessant werden ließ. Herr Mudu hatte einen Job als Gärtner für 4 Monate in Bayern gehabt . Für diese "kurze" Zeit, die er dort gewesen war, erstaunten mich seine deutschen Sprachkenntnisse. Wir konnten uns bis auf vereinzelte Verständnisschwierigkeiten eigentlich durchgängig auf deutsch unterhalten. Herr Peter ist ein Reisender, der durch Schifffahrt schon in zahlreichen Ländern der Welt war, unter anderem auch in Deutschland für rund einen Monat. Die beiden waren sehr interessiert, wie es mir hier in Ghana geht, wie ich mich gefühlt habe, als ich hier ankam, und was für Erwartungen ich hatte. Ebenso interessant für mich war es, zu erfahren, wie sie Deutschland empfunden haben. Beide äußerten sich positiv z.B. zum Essen, zu den Städten und der Höflichkeit. Aber die Kälte, die hohen Preise und erschreckenderweise, obwohl mir das bewusst war, Rassismus wurde auch angesprochen.
Das Gespräch sprang hin und her zwischen der Beschreibung meines Freiwilligenjahrs, der Schwierigkeit, in Deutschland ghanaisches Essen zu kochen, Indien und Herrn Peters Erfahrungen dort, Vorurteilen gegenüber Ghana und Afrika, Visumskosten, Diskriminierung in Deutschland und Obruni-Rufen in Ghana.
Das Gespräch war so interessant und es hat so viel Spaß gemacht, mich mit diesen reflektierten, sympathischen Männern zu unterhalten, dass ich schließlich erst nach etwa 1 einhalb Stunden meinen Weg nach hause fortsetzte. Die Verabschiedung war sehr herzlich und wir waren uns einig, die Unterhaltung demnächst fortzusetzen.
Als ich dann weitermarschierte, kaufte ich noch ein paar Bo-Froots (eine Art Berliner ohne Füllung und Guss), führte ein paar kleine Gespräche in Fante und musste die ganze Zeit an das wirklich nette Gespräch zurückdenken.
Montag, 19. Dezember 2011
Dienstag, 29. November 2011
Fußball, Schule und Urlaub
Nun ist mein letzter Eintrag schon wieder eine ganz schöne Weile her. Falls ihr hier täglich nach Neuigkeiten gesucht haben solltet, möchte ich mich für die Warterei entschuldigen. Die Zeit vergeht hier relativ schnell und ich habe oft nicht die Ruhe, mich an einen ausführlichen Lagebericht zu setzen.
Mit diesem Post möchte ich kein spezielles Ereignis beschreiben, sondern euch ein paar Bilder zeigen, um euch einen visuellen Eindruck meines ghanaischen Lebens zu geben, zumindest ein kleines Stück weit.
Vielleicht habt ihr durch die Bilder ja ein paar unterbewusste Fragen beantworten können. Bis bald!
Mit diesem Post möchte ich kein spezielles Ereignis beschreiben, sondern euch ein paar Bilder zeigen, um euch einen visuellen Eindruck meines ghanaischen Lebens zu geben, zumindest ein kleines Stück weit.
Vielleicht habt ihr durch die Bilder ja ein paar unterbewusste Fragen beantworten können. Bis bald!
Samstag, 22. Oktober 2011
„Mepa wo tschäu, Mentiase“
Heute
war ich mit meiner Gastmutter und meinem kleinen Gastbruder in
Bobikuma, ein kleiner Ort geschätzte 30 km von Swedru entfernt.
Meine Gastmutter wollte dort ihre Schwägerin besuchen und hatte mich
gefragt, ob ich mitkommen wolle. Da ich sowieso noch nichts geplant
hatte und gerne ein bisschen „rumkommen“ wollte, willigte ich
also ein. Nach dem Waschen meiner Klamotten und einem kleinen
Frühstück ging es dann los. Vom Haus zu Fuß zur Main Road, von der
Main Road mit einem Taxi zur Tro-Tro-Station in der Innenstadt und
von dort mit einem Tro-Tro nach Bobikuma.
| Zusammen mit Tina und Kweku im Tro-Tro |
Tro-Tros
sind übrigens Kleinbusse, die bestimmte Routen fahren. In unserem
waren wir heute mit 13, also verhältnismäßig wenig Leuten, denn
teilweise sind schon mal über 20 Mitfahrer an Bord. Neben dem Fahrer
gibt es auch immer einen „Mate“, der das Geld einsammelt und
während der Fahrt in den Straßen verkündet, wo man hinfährt. Die
heutige Fahrt dauerte etwa 40 Minuten und kostete 1 Cedi, also etwa
50-60 Cent.
Angekommen
bei den Verwandten in Bobikuma wurden wir herzlich begrüßt und
bekamen erst mal was zu trinken. Wir saßen in einem kleinen Innenhof
und meine Gastmutter unterhielt sich mit den Menschen, die sich dort
aufhielten (ich bin mir nicht sicher, wer zu der Familie gehörte und
wer ein Bekannter aus der Nachbarschaft war. Verschiedene Personen
kamen und gingen, wechselten sich beim Kochen ab oder säuberten den
Hof). Ich saß eigentlich überwiegend bloß dabei und war nur
gelegentlich in Gespräche involviert, denn es wurde quasi
durchgehend Fante gesprochen und ich hatte den Eindruck, dass manche
der anwesenden Personen auch kaum Englisch konnten. Der Titel dieses
Artikels bedeutet übrigens soviel wie „Tut mir Leid, ich verstehe
Sie nicht“.
Trotzdem
war es interessant, dort zu sein, da das Leben dort einfach noch
ländlicher zu sein schien.
Zwischendurch
wurden ich und Kweku (mein Gastbruder) dann noch von einem kleinen
Jungen der Familie in die Stadt geführt, um ein paar Eindrücke
sammeln zu können. Als es aber dann wieder anfing, so stark zu
regnen, standen wir (zusammen mit rund 15 anderen Kindern, die uns
auf dem Weg gefolgt waren) erst mal für eine gute Stunde unter einem
Vordach und warteten.
Bevor
wir wieder nach Hause fuhren, gab es noch eine Riesenportion Fufu (eine Art zäher Brei aus Plantains und Cassava). Da wir kurz nach unserer Ankunft schon Plantains (Kochbananen) gegessen
hatten, war ich am Ende des Tages also gut gesättigt.
| Fufu stampfen |
Auch
wenn ich heute eigentlich gar nichts Großes unternommen habe, war es
doch ein spannender Tag, vor allem deshalb, weil es mir vorkam, als
sei ich wirklich der erste Obruni, also Weiße dort in der Gegend
gewesen. Die zwischenmenschlichen Begegnungen und Wahrnehmungen
machten den Tag für mich persönlich sehr erlebnisreich.
Freitag, 7. Oktober 2011
Das Fußballmatch
Um euch einen kleinen Einblick in mein Projekt zu ermöglichen, will ich mal meinen heutigen Schultag beschreiben. Das Bild ist aber ehrlich gesagt nicht von heute, sondern von Mittwoch, weil ich da die Kamera mithatte, um für ein paar Kollegen Passfotos zu machen, aber das ist eine andere Geschichte.
Um etwa 7:40 - etwa meine gewohnte Zeit - kam ich an die Schule und begrüßte die ersten Lehrer. Wie sonst oft auch, setzte ich mich an den Tisch, wo die Kinder Schulhefte, Stifte, Radiergummis etc. erwerben können und kümmerte mich um den Verkauf. Um kurz nach 8 klingelte dann die Glocke und alle Schüler versammelten sich im Hof. Die rituelle Morgenansprache und das Gebet folgte, dann marschierten die Klassen nacheinander zur Trommelmusik in ihre Klassenzimmer. Dann war es still und ich war ein bisschen nervös, weil ich Jeffrey, meinen Partnerlehrer noch nicht gesehen hatte.
Glücklicherweise übernahm dann die Direktorin spontan den Unterricht in meiner Klasse: Mathematik. Denn alleine bin ich nicht in der Lage die Klasse zu kontrollieren. Das mag an der Größe der Klasse (es sind meistens so 50-60 Schüler anwesend), dem Alter der Kinder (6-8), der Tatsache, dass ich die Kinder nicht "mit dem Stock belohne" oder dass ich kein ausgebildeter Lehrer bin oder an meiner Hautfarbe liegen. Wahrscheinlich spielt alles mit rein.
Als Jeffrey dann zum Glück bald da war, ließen wir die Kinder noch Matheaufgaben machen, ehe dann die erste Pause begann. In dieser Zeit ging ich mit ihm in ein nahe gelegenes kleines Restaurant und aß ein lokales Reisgericht. Als nächstes stand Creative Art auf dem Stundenplan und die Schüler hatten die Aufgabe, diverse Küchenutensilien von der Tafel abzumalen. Meine Aufgaben waren derweil, die Matheafgaben zu korrigieren, das Anwesenheitsregister zu führen und die besagten Küchenutensilien an die Tafel zu malen.
Ich war überrascht, dass wir nach dieser Unterrichtseinheit noch Zeit für ein weiteres Fach hatten, denn bisher haben wir immer nur 2 am Tag geschafft. Die jetzige Session hieß "Ghanaian Language", sprich Fante. Da konnte ich gar nicht so viel machen, da ich die Sprache noch nicht beherrsche und dem entsprechend kaum etwas verstand. Nachdem sich die Schüler dann gegen 13 Uhr ihr Essen holten und ihre Aufgaben fertig bearbeitet hatten, tobte der ganze Klassenraum. Alle freuten sich nämlich auf das anstehende Fußballmatch zwischen der 2. und der 3. Klasse. Heute durften die Jungs spielen. Ausgeführt wurde das Spiel im Schulhof, ein paar große Steine dienten als Torbegrenzungen und einer der Lehrer machte den Schiedsrichter. Es ging los und wir (also die 2. Klasse) lagen schon bald in Führung. Das war echt super zu sehen, wie sich die Klasse untereinander bejubelte und sich auch das Lehrer-Schüler-Verhältnis in dieser Stunde veränderte. Jeffrey nahm die Sache recht ernst und schrie seine Anweisungen wie ein richtiger Trainer eines Fußballteams über das Feld. Das war echt lustig und ich hatte meinen Spaß. Das Spiel war auch relativ spannend und die Kinder haben echt gut gespielt. Nach einem 4:4 gab es dann noch Elfmeterschießen, aber letzten Endes haben wir leider verloren.
Um kurz nach 3 gab es dann die tägliche Nachmittagsversammlung im Hof, bevor dann alle ins Wochenende entlassen wurden.
Für mich war dann auch der Schultag zuende und ich machte noch einen Schlenker in die Innenstadt, weil ich noch etwas besorgen wollte. Dann machte ich mich auf den Weg nach Hause.
Jetzt freue ich mich erstmal auf das kommende Wochenende.
Um etwa 7:40 - etwa meine gewohnte Zeit - kam ich an die Schule und begrüßte die ersten Lehrer. Wie sonst oft auch, setzte ich mich an den Tisch, wo die Kinder Schulhefte, Stifte, Radiergummis etc. erwerben können und kümmerte mich um den Verkauf. Um kurz nach 8 klingelte dann die Glocke und alle Schüler versammelten sich im Hof. Die rituelle Morgenansprache und das Gebet folgte, dann marschierten die Klassen nacheinander zur Trommelmusik in ihre Klassenzimmer. Dann war es still und ich war ein bisschen nervös, weil ich Jeffrey, meinen Partnerlehrer noch nicht gesehen hatte.
Glücklicherweise übernahm dann die Direktorin spontan den Unterricht in meiner Klasse: Mathematik. Denn alleine bin ich nicht in der Lage die Klasse zu kontrollieren. Das mag an der Größe der Klasse (es sind meistens so 50-60 Schüler anwesend), dem Alter der Kinder (6-8), der Tatsache, dass ich die Kinder nicht "mit dem Stock belohne" oder dass ich kein ausgebildeter Lehrer bin oder an meiner Hautfarbe liegen. Wahrscheinlich spielt alles mit rein.
| "Put your heads down!" - Ein Teil der Klasse ( die fünfte Reihe ganz rechts ist nicht im Bild) |
Als Jeffrey dann zum Glück bald da war, ließen wir die Kinder noch Matheaufgaben machen, ehe dann die erste Pause begann. In dieser Zeit ging ich mit ihm in ein nahe gelegenes kleines Restaurant und aß ein lokales Reisgericht. Als nächstes stand Creative Art auf dem Stundenplan und die Schüler hatten die Aufgabe, diverse Küchenutensilien von der Tafel abzumalen. Meine Aufgaben waren derweil, die Matheafgaben zu korrigieren, das Anwesenheitsregister zu führen und die besagten Küchenutensilien an die Tafel zu malen.
Ich war überrascht, dass wir nach dieser Unterrichtseinheit noch Zeit für ein weiteres Fach hatten, denn bisher haben wir immer nur 2 am Tag geschafft. Die jetzige Session hieß "Ghanaian Language", sprich Fante. Da konnte ich gar nicht so viel machen, da ich die Sprache noch nicht beherrsche und dem entsprechend kaum etwas verstand. Nachdem sich die Schüler dann gegen 13 Uhr ihr Essen holten und ihre Aufgaben fertig bearbeitet hatten, tobte der ganze Klassenraum. Alle freuten sich nämlich auf das anstehende Fußballmatch zwischen der 2. und der 3. Klasse. Heute durften die Jungs spielen. Ausgeführt wurde das Spiel im Schulhof, ein paar große Steine dienten als Torbegrenzungen und einer der Lehrer machte den Schiedsrichter. Es ging los und wir (also die 2. Klasse) lagen schon bald in Führung. Das war echt super zu sehen, wie sich die Klasse untereinander bejubelte und sich auch das Lehrer-Schüler-Verhältnis in dieser Stunde veränderte. Jeffrey nahm die Sache recht ernst und schrie seine Anweisungen wie ein richtiger Trainer eines Fußballteams über das Feld. Das war echt lustig und ich hatte meinen Spaß. Das Spiel war auch relativ spannend und die Kinder haben echt gut gespielt. Nach einem 4:4 gab es dann noch Elfmeterschießen, aber letzten Endes haben wir leider verloren.
Um kurz nach 3 gab es dann die tägliche Nachmittagsversammlung im Hof, bevor dann alle ins Wochenende entlassen wurden.
Für mich war dann auch der Schultag zuende und ich machte noch einen Schlenker in die Innenstadt, weil ich noch etwas besorgen wollte. Dann machte ich mich auf den Weg nach Hause.
Jetzt freue ich mich erstmal auf das kommende Wochenende.
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