Donnerstag, 12. Januar 2012

Meine Ferien


Nun ist schon Januar, die Ferien sind vorbei und seit vorgestern, dem 10.01., geht die Schule wieder los. In den letzten Wochen ist viel passiert.

Der Dezember verging relativ schnell, was ich vor allem auf die Vorfreude auf die Ferien zurückführe. Bevor es aber so weit war, gab es noch einen recht stressigen, anstrengenden Endspurt, in dem die Examen und die Reports (Zwischenzeugnisse) geschrieben wurden. Auch ich selber verfasste einige Prüfungsaufgaben für meine Fächer I.C.T. Und Creative Arts (dazu an anderer Stelle mehr). Die Ergebnisse fielen recht unterschiedlich aus, konnten aber mit den anderen Fächern glücklicherweise schon mithalten. Als schließlich alles geschafft war, wurde am 22.12. „our day“ zelebriert. An diesem Tag ist es jedem, sowohl Schüler als auch Lehrer, erlaubt, in beliebiger Hauskleidung aufzutauchen. Außerdem ist es Brauch, dass die Schüler ihr eigenes Essen mitbringen und keines, wie üblicherweise, in der Schule kaufen. Große Lautsprecher wurden aufgestellt und die ganze Schule war in Feierlaune. Nach einer Weile wurden dann die Zeugnisse, Elternbriefe und letzte korrigierte Examen von den Klassenlehrern an ihre Schüler verteilt.
Noch am selben Tag trafen sich Hanna (die andere Freiwillige in der Schule) und ich mit einigen unserer Kollegen in einem Spot (vergleichbar mit einem Pub), um die Lehrer mal außerschulisch besser kennenzulernen.
Nun waren endlich Ferien und ich war schon gespannt, wie die Weihnachtszeit und der geplante Urlaub in den Norden Ghanas verlaufen würde. An den Weihnachtstagen war ich zuhause und traf mich mit Freunden in der Stadt. Ein großes Weihnachtsfest gab es in dem Sinne gar nicht. Das einzig wirklich außergewöhnliche, das die Tage vom gewohnten Alltag unterschied, war der Kirchenbesuch am 25. und die Tatsache, dass wir einige Kuchen gebacken hatten. Dabei will ich nicht das ghanaische Weihnachtsfest darauf reduzieren, sondern bloß bemerken, wie ich es erlebt habe. Generell war es schwer, in Weihnachtsstimmung zu kommen. Zwar hörte man ab dem 24. ständig den lokalen Glückwunsch „Afischjampoo“ oder ghanaische und europäische Weihnachtslieder, aber trotzdem passten die 32° C nicht so ganz in mein gewohntes Bild von Weihnachten.
Nichts desto trotz habe ich die Tage genossen. Ich war auch nicht enttäuscht, da ich kaum Erwartungen an das Fest gestellt habe und ich diese Weihnachten als Erfahrung mitnehmen kann, losgelöst von irgendeiner Bewertung.

Am 27. Dezember klingelte mein Wecker um kurz nach 3 in der Nacht, da ich zusammen mit einer Freundin nach Kumasi fahren wollte, um von dort aus mit einer weiteren Freiwilligen die bereits erwähnte Reise in den Norden zu starten. Insgesamt waren wir 13 Tage unterwegs, besuchten einige Städte und kamen sogar bis zur Grenze zu Burkina Faso. Unsere Reiseroute verlief über Kumasi, Techiman, Tamale, Larabanga, Wa, Bolgatanga und wieder zurück über Tamale und Kumasi. An diesen Orten hielten wir uns dann für die Nächte auf und besichtigten die Innenstädte. Außerdem unternahmen wir einige Tagesausflüge von unseren Hotels zu touristischen Reisezielen oder kleinen Orten in der Umgebung.
Der Urlaub war sehr spannend und hat viel Spaß gemacht. Vor allem war es beeindruckend zu sehen, wie sehr sich der Norden des Landes vom Süden unterscheidet, sowohl landschaftlich (trockene, staubige und großflächige Flachlandsavannen) als auch in der Bevölkerung. Da diese in den nördlichen Regionen nämlich überwiegend muslimisch geprägt ist, unterschieden sich die meisten Menschen schon in der Kleidung von den hiesigen Einheimischen. Zudem gab es viel mehr Leute, die mit Fahrrädern und Motorbikes unterwegs waren und auch die Reaktion auf Weiße war total anders. Je weiter wir gen Norden fuhren, so schien es, desto mehr Leute hielten es für normal, „Obrunis“ (dort „Nasara“ genannt) zu sehen. Das war unglaublich angenehm!
Rückblickend war das eine wirklich schöne Reise und ich habe viel erlebt; alles im Detail hier zu berichten würde den Rahmen sprengen. Um Fotos hochzuladen, reicht die Internetkapazität leider nicht, aber ihr werdet die an anderer Stelle noch zu sehen bekommen.
Liebe Grüße und „Happy New Year!“

Montag, 19. Dezember 2011

Herr Mudu and Herr Peter

"Hello, wie gehts?" - als ich das heute auf einem ruhigen Schleichweg nach hause hörte, war ich erst mal recht überrascht, weil ich keinen Obruni in der Nähe gesehen, sondern nur zwei Herren mittleren Alters auf einer Bank wahrgenommen hatte. Ich drehte mich um und sah die zwei grinsenden Männer an, ebenfalls grinsend, denn wie sich herrausstellte, konnte einer der Herren weitaus mehr deutsch, als diese Floskel. Ich erwiderte also die Begrüßung und es kam zu einem Gespräch mit den beiden äußerst freundlichen Personen. Eine solche Konversation mit Ghanaern hatte ich nun lange nicht mehr erlebt, zum einen, weil sie mitunter dreisprachig war (deutsch, englisch, fante) und zum anderen, weil sich das Gespräch hauptsächlich auf kulturelle Unterschiede zwischen Ghana und Deutschland konzentrierte. Die beiden Männer, "Herr" Mudu und "Herr" Peter, waren nämlich bereits in Deutschland gewesen, was die Unterhaltung sehr interessant werden ließ. Herr Mudu hatte einen Job als Gärtner für 4 Monate in Bayern gehabt . Für diese "kurze" Zeit, die er dort gewesen war, erstaunten mich seine deutschen Sprachkenntnisse. Wir konnten uns bis auf vereinzelte Verständnisschwierigkeiten eigentlich durchgängig auf deutsch unterhalten. Herr Peter ist ein Reisender, der durch Schifffahrt schon in zahlreichen Ländern der Welt war, unter anderem auch in Deutschland für rund einen Monat. Die beiden waren sehr interessiert, wie es mir hier in Ghana geht, wie ich mich gefühlt habe, als ich hier ankam, und was für Erwartungen ich hatte. Ebenso interessant für mich war es, zu erfahren, wie sie Deutschland empfunden haben. Beide äußerten sich positiv z.B. zum Essen, zu den Städten und der Höflichkeit. Aber die Kälte, die hohen Preise und erschreckenderweise, obwohl mir das bewusst war, Rassismus wurde auch angesprochen.
Das Gespräch sprang hin und her zwischen der Beschreibung meines Freiwilligenjahrs, der Schwierigkeit, in Deutschland ghanaisches Essen zu kochen, Indien und Herrn Peters Erfahrungen dort, Vorurteilen gegenüber Ghana und Afrika, Visumskosten, Diskriminierung in Deutschland und Obruni-Rufen in Ghana.
Das Gespräch war so interessant und es hat so viel Spaß gemacht, mich mit diesen reflektierten, sympathischen Männern zu unterhalten, dass ich schließlich erst nach etwa 1 einhalb Stunden meinen Weg nach hause fortsetzte. Die Verabschiedung war sehr herzlich und wir waren uns einig, die Unterhaltung demnächst fortzusetzen.
Als ich dann weitermarschierte, kaufte ich noch ein paar Bo-Froots (eine Art Berliner ohne Füllung und Guss), führte ein paar kleine Gespräche in Fante und musste die ganze Zeit an das wirklich nette Gespräch zurückdenken.

Dienstag, 29. November 2011

Fußball, Schule und Urlaub

Nun ist mein letzter Eintrag schon wieder eine ganz schöne Weile her. Falls ihr hier täglich nach Neuigkeiten gesucht haben solltet, möchte ich mich für die Warterei entschuldigen. Die Zeit vergeht hier relativ schnell und ich habe oft nicht die Ruhe, mich an einen ausführlichen Lagebericht zu setzen.
Mit diesem Post möchte ich kein spezielles Ereignis beschreiben, sondern euch ein paar Bilder zeigen, um euch einen visuellen Eindruck meines ghanaischen Lebens zu geben, zumindest ein kleines Stück weit.

Der Weg zur Schule: auf diesem Bild sieht man Flo, meinen Gastbruder, und Sandra, unsere Nachbarin, die uns an diesem Morgen spontan mit in die Stadt begleitete. Dieser "Trampelpfad" ist eine von mehreren Möglichkeiten, von unserem Haus aus in die Stadt zu laufen. In der Gegend, in der ich wohne, sieht es überall ähnlich aus, wie auf dem Foto. Damit meine ich, dass es hier viel Natur zu sehen gibt, die Häuser nicht aneinander gereiht stehen und man generell eher das Gefühl hat, in einem Dorf zu leben. Vom Haus zur Hauptstraße sind es etwa 10 Minuten zu Fuß, von dort aus dann zum Stadtzentrum oder zu meiner Schule dauert es etwa noch mal 15 Minuten. Auf dieser letzten Strecke sehen die Wege dann nicht mehr so palmenumringt, ruhig und entspannt aus...
Fußball: An diesem Tag stand ein Fußballspiel zwischen dem Kollegium unserer Schule gegen die Lehrer einer anderen Privatschule in Swedru an. Da ich aber kein guter Fußballer bin, kam ich nur als Zuschauer mit und stehe auf dem Foto nicht im Trikot neben meinem Team. Da wir nicht genügend Spieler hatten, wurden noch Freunde der Lehrer und letzten Endes zwei Schüler in die Mannschaft aufgenommen. Die Schüler mussten sich auf die Aufforderung und Motivation der Lehrer schnell und spontan umziehen, als sie mit einigen Mitschülern kamen, um sich das Spiel anzusehen. Insgesamt kamen rund 60 Schüler verschiedener Klassen unserer Schule zu dem Match und um die Chance zu erfgreifen, dieses Fanpotential zu nutzen, machte ich mich daran, mit den Schülern eine Laolawelle hinzubekommen, was ich bereits bei vorigen Fußballspielen zusammen mit meiner Mitfreiwilligen an der Schule versucht hatte. Nach einigen nicht so erfolgreichen Versuchen, hat das dann auch wirklich gut geklappt und viel Spaß gemacht. Insgesamt waren die äußeren Umstände für das Spiel, abgesehen von dem "Fansupport", aber nicht so prickelnd: Zuvor hatte es ordentlich geschauert, so dass der Platz mit großen Pfützen übersäht war und aufgrund des anfänglichen Spielermangels verzögerte sich das Spiel stark in den späten Nachmittag.
Be Happy: Das ist ein Klassenzimmer in einem kleinen Ort in der Nähe von Cape Coast. Ich denke nicht, dass hier zur Zeit noch unterrichtet wird, da sich weder Schulbänke, noch ein Dach in dem Raum befand. Trotzdem war es irgendwie spannend, in diese Klassenräume zu spazieren und sie anzuschauen. An dem Wochenende war ich mit 3 anderen Freiwilligen in dieser Gegend in einem Beach Resort, um für 2 Tage einen Kurzstrandurlaub zu machen.
Music & Dance: Eines meiner Lieblingsbilder. Ein Schnappschuss von vor zwei Wochen, als an einem Freitagnachmittag der Klassenlehrer der 4. Klasse plötzlich anfing, einige Trommeln auf den Schulhof zu bringen, um dort zu musizieren. Einige Jungs waren damit beschäftigt, die Rhythmen, die vom Lehrer vorgegeben wurden, zu trommeln und beinahe die gesamte restliche Schulgemeinschaft fand sich auf dem Schulhof ein, um ihnen dabei zuzusehen oder zu tanzen. Das war auf jeden Fall ein sehr interessanter, abwechslungsreicher Schulnachmittag. Die Bemalung des Jungen links im Bild hat übrigens nichts zu tun mit irgendwelchen rituellen Traditionen, das ist bloß Latif aus der 5., der mit Kreide gespielt hat.



Vielleicht habt ihr durch die Bilder ja ein paar unterbewusste Fragen beantworten können. Bis bald!

Samstag, 22. Oktober 2011

„Mepa wo tschäu, Mentiase“

Heute war ich mit meiner Gastmutter und meinem kleinen Gastbruder in Bobikuma, ein kleiner Ort geschätzte 30 km von Swedru entfernt. Meine Gastmutter wollte dort ihre Schwägerin besuchen und hatte mich gefragt, ob ich mitkommen wolle. Da ich sowieso noch nichts geplant hatte und gerne ein bisschen „rumkommen“ wollte, willigte ich also ein. Nach dem Waschen meiner Klamotten und einem kleinen Frühstück ging es dann los. Vom Haus zu Fuß zur Main Road, von der Main Road mit einem Taxi zur Tro-Tro-Station in der Innenstadt und von dort mit einem Tro-Tro nach Bobikuma.
Zusammen mit Tina und Kweku im Tro-Tro

Tro-Tros sind übrigens Kleinbusse, die bestimmte Routen fahren. In unserem waren wir heute mit 13, also verhältnismäßig wenig Leuten, denn teilweise sind schon mal über 20 Mitfahrer an Bord. Neben dem Fahrer gibt es auch immer einen „Mate“, der das Geld einsammelt und während der Fahrt in den Straßen verkündet, wo man hinfährt. Die heutige Fahrt dauerte etwa 40 Minuten und kostete 1 Cedi, also etwa 50-60 Cent.
Angekommen bei den Verwandten in Bobikuma wurden wir herzlich begrüßt und bekamen erst mal was zu trinken. Wir saßen in einem kleinen Innenhof und meine Gastmutter unterhielt sich mit den Menschen, die sich dort aufhielten (ich bin mir nicht sicher, wer zu der Familie gehörte und wer ein Bekannter aus der Nachbarschaft war. Verschiedene Personen kamen und gingen, wechselten sich beim Kochen ab oder säuberten den Hof). Ich saß eigentlich überwiegend bloß dabei und war nur gelegentlich in Gespräche involviert, denn es wurde quasi durchgehend Fante gesprochen und ich hatte den Eindruck, dass manche der anwesenden Personen auch kaum Englisch konnten. Der Titel dieses Artikels bedeutet übrigens soviel wie „Tut mir Leid, ich verstehe Sie nicht“.
Trotzdem war es interessant, dort zu sein, da das Leben dort einfach noch ländlicher zu sein schien.
Zwischendurch wurden ich und Kweku (mein Gastbruder) dann noch von einem kleinen Jungen der Familie in die Stadt geführt, um ein paar Eindrücke sammeln zu können. Als es aber dann wieder anfing, so stark zu regnen, standen wir (zusammen mit rund 15 anderen Kindern, die uns auf dem Weg gefolgt waren) erst mal für eine gute Stunde unter einem Vordach und warteten.
Bevor wir wieder nach Hause fuhren, gab es noch eine Riesenportion Fufu (eine Art zäher Brei aus Plantains und Cassava). Da wir kurz nach unserer Ankunft schon Plantains (Kochbananen) gegessen hatten, war ich am Ende des Tages also gut gesättigt.
Fufu stampfen

Auch wenn ich heute eigentlich gar nichts Großes unternommen habe, war es doch ein spannender Tag, vor allem deshalb, weil es mir vorkam, als sei ich wirklich der erste Obruni, also Weiße dort in der Gegend gewesen. Die zwischenmenschlichen Begegnungen und Wahrnehmungen machten den Tag für mich persönlich sehr erlebnisreich.